No way back [FF]

Moderator: Housekatze

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Remy Hadley Online
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Kapitel 13

Remy saß, den Kopf gegen die Wand gelehnt, auf dem Gang in der Notaufnahme, der von den hellen Neoröhren beleuchtet wurde, während Chase in Behandlung war. Sie hatte bisher nicht das Geringste erfahren, obwohl das erste, was er bei der Ankunft im Krankenhaus gesagt hatte, war, dass sie Remy alles sagen durften, was seine Verletzungen und Behandlungen anging.

Sie fühlte sich so elend, sie war schuld an Chase‘ schweren Verletzungen, das würde ihr niemand ausreden können. Vermutlich wäre er nicht einmal ausgestiegen, wäre sie einfach ausgestiegen und in ihr Haus gegangen. Noch ein weiterer Grund, die Liste wurde immer länger.


Nach einer Ewigkeit öffnete sich die Tür, Chase wurde in einem Bett an ihr vorbeigeschoben und der diensthabende Arzt trat auf Remy zu. Sie erhob sich sofort, obwohl sie nur schwer auf die Beine kam und sah ihn an. „Frau Kollegin“ Er nickte ihr zu und legte ihr eine Hand auf den Unterarm. Remy schüttelte sie sofort ab: Sie wollte nicht angefasst werden, von niemandem, besonders nicht von einem Arzt, den sie einmal im Vorbeigehen gesehen hatte. Er verstand diese barsche Geste und kam zum eigentlich wichtigen Teil.

„Dr. Chase hat schwere Verletzungen an beiden Beinen, er hatte jedoch Glück, es hätte viel schlimmer ausgehen können. Wir operieren sein Bein morgen früh. Er hat dort viele Trümmerfrakturen erlitten. Am anderen Bein weist er zwar zahlreichere Frakturen auf, die jedoch nicht so kompliziert sind und wir problemlos richten können. Ein Gips wird dort ausreichend sein.“

Remy starrte ihn an, das einzige, was sie komplett aufgefasst hatte, ließ sie nicht mehr los. So konnte sie auch nur vollkommen perplex fragen: „Morgen FRÜH?!“ Der Arzt wollte ihr erneut eine Hand auf den Arm legen, doch dieses Mal besann er sich vorher eines Besseren. „Vor zwei Stunden gab es einen schweren Verkehrsunfall auf dem Highway, alle Chirurgen sind im Einsatz… Er bekommt starke Schmerzmittel. Zudem kann so die Schwellung zunächst etwas abklingen.“ Remy schüttelte den Kopf, sie wollte es gar nicht hören. „Wo liegt er?“ – „Zimmer 109.“ Sie nickte und ging ohne ein weiteres Wort davon.


Als Remy leise die Tür öffnete, lag Chase so bleich wie die Wand in seinem Bett. Beide Beine waren geschient, seine Atmung ging stoßweise und er hatte die Augen geschlossen. Trotz der zahlreichen Schmerzmittelinfusionen glänzte sein Gesicht vor Schweiß durch die Anspannung.

Langsam trat die junge Frau näher und zog sich einen Stuhl neben das Bett ihres Kollegen. Chase öffnete sofort die Augen, als er sie bemerkte. „Schöne Scheiße“, grinste er schief und schmerzverzerrt. „Bei dir muss man sich erst vor einen LKW werfen, bevor du einen beachtest“, witzelte er und streckte die Hand nach ihrer aus. Remy nahm sie, doch sie brachte kein Grinsen zustande. „Dir ist noch zum Spaßen zumute?“, fragte sie leise und drehte den Kopf weg. „Naja… Was soll ich sonst machen? Ich darf nicht aufstehen, weißt du.“ Remy schüttelte den Kopf und lächelte nun doch etwas schief.

„Hab ich dich am Bauch erwischt?“, fragte er jetzt sorgenvoll und richtete seinen Blick wieder direkt in ihre Augen. „Ich wollte dich da weg haben, ich hab… nicht dran gedacht…“ – „Schsch“, war das einzige, was Remy hervorbrachte, als sie ihm eine feuchte Haarsträhne zurückstrich. „Es geht mir gut, nichts passiert“, beruhigte sie ihn. "Gut", murmelte Chase darauf nur und sein Gesicht entspannte sich ein klein wenig.

„Ich bin vorhin… Nicht mit dem fertig geworden, was ich tun wollte“, meinte Chase dann und sah sie an. Remy wusste nicht, was er meinte, also hob er den Arm und winkte sie schwach zu sich. Sie stand auf und beugte sich über ihn, ohne Widerstand ließ sie sich dann von ihm weiter über sich ziehen und einen Kuss auf den Mund drücken. Sie erwiderte ihn nicht, doch sie ließ es geschehen und schloss die Augen, als seine zitternden Lippen ihre umschlossen.

Schließlich ließ er sie los. „Danke“, flüsterte er und schloss erschöpft erneut die Augen. „Und jetzt musst du nach Hause gehen und… dich ausruhen. Dein Baby braucht das und du auch.“ Remy schnaufte leise, als sie ungläubig lachte. „Ich gehe nirgendwo hin“, gab sie sofort zurück, ging in das kleine Badezimmer und kam mit einem kühlen Handtuch zurück. Sie setzte sich wieder und tupfte ihm ganz vorsichtig das schweißnasse Gesicht ab, ehe sie ihm das Handtuch auf die Stirn legte, ihre Hand darüber.

„Wie kommt es, dass wir uns bei jedem privateren Treffen gegenseitig kalte Umschläge machen?“, fragte sie leise, um ihn ein wenig aufzumuntern. Ihre Stimme zitterte nicht mehr ganz so schlimm, wie am Anfang, doch sie war noch immer vollkommen aufgelöst. Chase zuckte mit den Schultern, doch schon diese leichte Erschütterung schien ihm Schmerzen zu bereiten. Und das, obwohl er Medikamente bekam. „Es tut mir so leid“, flüsterte sie und streichelte ihm über die Wange. „Mir nicht“, gab er zurück und sah sie wieder an. „So würdest du mich sonst nie berühren“, grinste er. Wäre er nicht so schwer verletzt, hätte Remy ihm für diese Antwort einen Klaps versetzt, so schüttelte sie nur mit rollenden Augen den Kopf.

Wieder blickte sie auf seine geschienten Beine und ein schmerzvoller Ausdruck trat in ihr Gesicht. „Schlimm?“, fragte er und versuchte den Kopf zu heben, doch er schaffte es nicht. „Du… weißt nichts?“ – „Nur, dass ich operiert werde“, erklärte er und griff wieder nach ihrer Hand, die neben ihm auf dem Bett lag.

Remy nickte. „Bei einem Bein kommst du mit Gips und konservativer Behandlung davon“, erklärte sie und streichelte über seine Finger. „Kennst du die… genauen Verletzungen?“ Remy überlegte. Um ehrlich zu sein, wusste sie es nicht. Sie hatte nur die Hälfte von dem, was der Arzt gesagt hatte, mitbekommen, ihr war so übel gewesen und sie war nur froh, dass er die Beine nicht verlieren würde. „Ich bin nicht sicher… Ich konnte nicht alles auffassen“, gestand sie so. „Ok, kann ja nichts Gutes sein“, flüsterte er und seufzte schwer. Remy wusste, dass er unerträgliche Schmerzen hatte. Und sie wusste ebenso, dass sie ihm nicht helfen konnte.

Wieder stand sie auf und machte das Handtuch frisch, was ihre Beschäftigung für den Rest der Nacht darstellen würde. Seine Kiefermuskulatur löste und spannte sich heftig, er versuchte die Schmerzen zu verbergen. Da an Schlaf nicht zu denken war, versuchte sie ihn anderweitig abzulenken und streichelte ihm so durch Haar, bevor sie ihren Kopf an ihn lehnte und ihren Arm über seine Brust legte.

„Remy, du musst heimgehen. Schlafen“, versuchte er es erneut. Sie hob ihren Kopf und sah ihm in die Augen. „Willst du mich loswerden?“, fragte sie und beobachtete ihn dabei ganz genau. „Nein!“, stöhnte er sofort auf, da er sich wieder hatte aufrichten wollen; neuer Schweiß trat auf seine Stirn. „Dann halt jetzt die Klappe“, flüsterte die junge Ärztin zurück und legte ihren Kopf wieder ab.


Während der Schock allmählich nachließ, bekam Remy langsam aber sicher ziemliche Schmerzen in der Schulter, mit der sie bei ihrem Sturz auf den Bordstein aufgeschlagen war, doch sie ignorierte es. Ein paarmal nickte sie sogar beinahe ein, bevor sie entweder von einem unterdrückten Schmerzenslaut von Chase wieder hellwach wurde, oder sich zwang, aufzustehen und ihm den kalten Umschlag frisch zu machen. Es würde definitiv eine lange Nacht werden, so viel stand fest.
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Kapitel 14

Irgendwann musste sie doch eingeschlafen sein, denn als sie die Augen wieder aufschlug, dämmerte es draußen. Sofort richtete sie sich auf. Chase lag unverändert in seinem Krankenbett, was hätte er auch anderes tun sollen? Fester denn je biss er die Zähne aufeinander und krampfte die Hände an seine Zudecke.

„Es dauert nicht mehr lange“, flüsterte Remy beruhigend und massierte seine steifen Finger; sie wusste von sich selbst, dass es eine enorme Wohltat war, wenn wieder Blut hindurchfließen konnte. „Du hättest mich wieder wecken sollen“, meinte sie dann tadelnd und blickte auf Chase. Einen Moment glaubte sie, er hätte nun doch noch das Bewusstsein verloren, da er bisher weder die Augen geöffnet noch etwas gesagt hatte. „Du warst sehr müde“, formte er dann jedoch mit den Lippen und mehr war es wirklich nicht, denn was Worte hätten sein sollen, war nur ein Stöhnen.

Dass ihr in eben diesem Moment schlecht wurde, warf sie sich noch ewig vor, doch sie konnte nicht anders, als ins Bad zu rennen und sich zu übergeben. Zitternd schloss sie die Augen und lehnte den Kopf gegen die Fliesen.

Als es besser wurde, stand sie auf, ging jedoch nicht an Chase‘ Bett, sondern hinaus auf den Gang, wo sie ganz am Ende gerade einen Arzt aus einem Zimmer kommen sah. Im Laufschritt ging sie zu ihm. „Wie lange dauert das denn noch?“, platze sie heraus. „Guten Morgen, Dr. Hadley“, war die Antwort. „Guten Morgen“, gab sie mürrisch zurück. „Er hat Schmerzen, wann ist die OP?“

Der Arzt zog die Brauen zusammen und sah auf seine Armbanduhr. „Er wird in einer dreiviertel Stunde abgeholt.“ Eine dreiviertel Stunde. Remy schloss die Augen und klammerte sich an dem Handlauf fest. „Alles in Ordnung?“, fragte der Arzt sofort und sie nickte. „Alles bestens.“ Vorsichtig nahm der Arzt sie beim Arm, was ihr einen Schmerzenslaut entlockte. „Sie haben eine Verletzung verschwiegen?“ – „Ich wusste nicht, dass es schlimmer wird“, verteidigte Remy sich wahrheitsgemäß.


Eigentlich wollte sie sofort zu Chase zurück, doch der Arzt bestand darauf, sie zu untersuchen. Als sie ihren Pullover unter Schmerzen und mit seiner Hilfe über den Kopf zog, zeigte ihre Schulter einen dunklen Bluterguss und eine Schwellung. „Ich muss das röntgen.“ – „Nein, ich… bin schwanger“, widersprach Remy sofort. Der Arzt nickte nachdenklich und tastete die Schulter ab, was ihr zwar Schmerzen bereitete, doch sie sagte nichts.

„So würde ich sagen, ist nichts gebrochen. Aber sollten die Schmerzen schlimmer werden, müssen Sie zum MRT“, beharrte er. „Zum Kühlen ist es jetzt beinahe zu spät, aber wenigstens eine Salbe werde ich Ihnen wohl auftragen dürfen?!“ Genervt setzte Remy sich auf die Liege zurück, da sie bereits aufgestanden war, und ließ ihn die Salbe auftragen und einen dünnen Verband anlegen. Anschließend half er ihr wieder in den Pullover und legte ihren Arm in eine Schlinge.

Remy konnte nicht protestieren, es war so viel angenehmer für ihre Schulter, daher bedankte sie sich etwas mürrisch, riss ihm die Überweisung zur Physiotherapie, auf die er bestand, aus der Hand und ging zu ihrem Kollegen zurück. Er würde die Armschlinge wohl nicht bemerken, was auch gut so war: Er dufte sich keine Vorwürfe machen.


„Es ist gleich so weit, dann hören die Schmerzen auf“, versprach sie. Chase‘ Mundwinkel verzogen sich ganz leicht zu einem Grinsen, während er seine Hand auf Remy zuschob. Sie nahm sie in ihre und streichelte darüber.

Natürlich würde er auch weiterhin Schmerzen haben, doch waren die Brüche erst einmal richtig versorgt, waren diese nichts gegen das, was er im Moment durchstand.

Chase stöhnte auf, er drückte Remys Hand fester. „Halt durch“, meinte sie leise und war schon wieder den Tränen nahe. Nicht diese permanente Übelkeit oder die Antriebslosigkeit war die schlimmste Begleiterscheinung der Schwangerschaft, sondern diese absolut unerwarteten Gefühlsausbrüche. Doch jetzt, wo Chase hier lag und sie noch nicht einmal angesehen hatte, hatte sie plötzlich Angst, er könnte sterben. Hier und jetzt. Direkt neben ihr. Und dieser Gedanke war unerträglich.

„Sie kommen gleich und helfen dir“, wiederholte sie, stand zögerlich auf und drückte ihre Lippen auf seinen glühenden Mund. Als sie sich wieder zurücklehnte, war sie sich sicher, dass es diesmal nicht nur eine Muskelzuckung war, sondern er wirklich lächelte. Typisch Mann, es konnte ihm noch so schlecht gehen, das machte ihn glücklich.


Nach einer halben Ewigkeit, so schien es wenigstens, wurde Chase für die OP abgeholt. Er hielt noch immer Remys Hand fest und sie konnte sie nur mit sanfter Gewalt lösen. „Ich bin noch hier, ich bin da“, meinte sie sofort, als er unruhig wurde und streichelte ihm über die Wange, während sie neben dem Bett herlief, das einige Schwestern schoben.

Vorm OP-Bereich bat man sie schließlich, zu warten. Remy ließ sich auf eine Bank sinken und kaute auf ihren Fingernägeln herum. Sobald sie es bemerkte, unterließ sie es und stützte stattdessen ihren Kopf auf ihre Hand.


Sie hatte jegliches Zeitgefühl verloren, sodass sie nicht sagen konnte, ob eine oder zwei Stunden vergangen waren, als Foreman und Taub hereingekeucht kamen und sich links und rechts von ihr niederließen. „Wir haben es gerade erst erfahren“, meinte Foreman leise und sah zu der Tür mit der Aufschrift ‚OP-Bereich – Kein Zutritt‘. Remy nickte kaum merklich und hob dann ihren Kopf an. Sie musste furchtbar aussehen, doch das spielte im Moment keine Rolle. „Was ist mit deinem Arm?“, fragte Foreman schließlich, der die Armschlinge bemerkte, als er sie richtig ansah. „Nichts. Schulterprellung.“

„Was ist passiert?“, fragte Taub zögerlich, da er wusste, dass Remy nicht über ihre Verletzung reden wollte. Foreman sah Remy gespannt an. „Ihm ist ein… LKW über die Beine gefahren“, erklärte sie leise und versuchte die erneut aufkommenden Tränen hinunterzuschlucken.

„Remy, du solltest heimgehen und dich ausruhen.“ Sie meinten es alle wirklich nur gut, doch langsam reichte es ihr. „Denkt ihr vielleicht, ich kann schlafen?!“, schrie sie die beiden an. „Er hat das wegen mir gemacht! ICH sollte mit zerquetschten Beinen da drinnen liegen!“ Sie deutete auf die verschlossene Tür und stand auf, um ihrer Wut so ein wenig Luft zu machen.

Taub und Foreman blickten sich an und waren sich einig, dass sie nach weiteren Details jetzt nicht fragen konnten, auch wenn das, was sie da erzählte, für Außenstehende ziemlich wirr wirkte.

„Wo ist House?“, fragte Remy, nachdem sie sich etwas beruhigt hatte. „Versucht aus den anderen Ärzten rauszukitzeln, was passiert ist“, murmelte Taub, worauf Remy nickte. Was hatte sie auch anderes erwartet? Dass er gleich kommen und sich mit bangem Blick zu ihnen setzen würde? Wohl kaum.

Nachdem wieder einige Zeit vergangen war, öffnete sich die Tür und eine Schwester kam heraus. Remy stand sofort auf und bewegte sich in ihre Richtung, erst dies veranlasste die beschäftigte Frau, stehen zu bleiben; sie hatte ihre Kollegin erkannt. „Dr. Hadley, gehen Sie nach Hause, schlafen Sie ein bisschen. Das kann sich noch einige Stunden hinziehen und Sie können jetzt nichts für ihn tun.“

Remy kannte diese Worte zu gut. Sie hatte aufgehört zu zählen, wie oft sie sie bereits selbst gebraucht hatte, doch nun konnte sie die stets darauf folgenden Proteste nachvollziehen.

„Ich kann nicht schlafen, ich werde hier bleiben“, erklärte sie stur, da anscheinend über den Verlauf der OP ohnehin nichts aus ihr herauszubekommen war. Die Schwester warf noch einen Blick auf ihre männlichen Kollegen, ehe sie davoneilte.
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Kapitel 15

Remy setzte sich wieder, woraufhin Foreman ihr einen Arm um den Körper legte. Sie hatte keine Lust, ihn wegzuschlagen, sodass sie ihn einfach machen ließ und ihren Kopf an seine Schulter lehnte. Es dauerte nicht lange und sie war eingeschlafen.

Taub erhob sich leise und langsam, ging in ein Schwesternzimmer und kam mit einer Decke zurück, die er vorsichtig über seine Kollegin breitete. Sie konnten sich nur vage zusammenreimen, was geschehen war, doch es wurde aus den zusammenhangslosen Informationen klar, dass Remy auf irgendeine Weise in den Unfall involviert war, die sie vollkommen fertig machte. Körperlich schien ihr hingegen kaum etwas zu fehlen.

Taub machte sich schließlich wieder auf den Rückweg zu House, während Foreman noch stundenlang mit Remy auf dem Flur saß. Sie wachte erst auf, als sich die Tür klackend erneut öffnete. Erschrocken fuhr sie hoch, starrte erst Foreman, dann die Decke und schließlich den Arzt an, der ihr gegenüberstand.

Remy erhob sich und trat näher zu ihm, da ihr nur die eine große Frage im Gesicht stand, musste sie sie nicht stellen, um ihre Antwort zu erhalten. „Die OP verlief gut, wenn die Nachbehandlungen ebenso verlaufen, wird er kaum Folgeschäden davontragen“, erklärte er, woraufhin Remy hörbar die Luft aus ihren Lungen entweichen ließ. „Wir mussten letztendlich doch noch das andere Bein operieren“, fuhr er fort, was Remy sofort aufhorchen ließ. „Keine Sorge, wir haben ihm Nägel eingesetzt, was nur gut für die Heilung sein wird, dem verantwortlichen Chirurgen waren es zu viele Bruchstücke für eine konservative Behandlung“, beruhigte er sie sofort, doch Remy konnte sich nur ein schwaches Lächeln abringen.

„Es dauert sicher noch eine ganze Weile, bevor er aufwacht, Sie sollten sich in der Zwischenzeit etwas Ruhe gönnen“, begann der Arzt, doch Remy unterbrach ihn mit: „Kann ich zu ihm?“ Der Arzt blickte Foreman an, welcher mit den Schultern zuckte und schickte Remy anschließend in den Aufwachraum.

Dicht gefolgt von Foreman schob Remy die Tür auf und trat langsam in den schwach beleuchteten Raum, in dem Chase nun ganz ruhig schlief. Remy war froh, dass sein Gesicht jetzt so entspannt und seine Atmung ganz gleichmäßig geworden war, doch als sie auf seine Beine sah, überkam sie erneut eine Welle von Schuldgefühlen. Es würde Monate dauern, bevor er wieder laufen konnte.

Kurz neben der Tür blieb sie stehen und starrte ihren Kollegen an, bis Foreman ihr eine Hand auf den Rücken legte. „Er ist gesund und sportlich, er kommt wieder in Ordnung, du wirst sehen.“ Doch Remy hörte nur auf den ersten Teil und nickte. „Das ist dann wohl jetzt dank mir vorbei“, nuschelte sie mit zusammengebissenen Zähnen.

Da seine Ex-Freundin nun schon wieder davon sprach, dass eigentlich sie an allem Schuld war, fühlte er sich genötigt, nun doch nachzufragen. „Kannst du mir verraten, was überhaupt passiert ist?“ Remy stand noch immer an ein und derselben Stelle und krallte sich mit ihren Fingern in ihren Pullover. „Ich weiß nur etwas von einem LKW“, half er leicht nach und wartete dann ab.

„Chase hat mich heimgebracht. Du weißt, dass es spät war und ich nicht mit dem Auto da war“, wollte sie sich gleich verteidigen, bevor Foreman irgendetwas hineininterpretierte, weshalb sie mit Chase fuhr. „Wir standen an der Straße, haben uns unterhalten, da schreit er plötzlich… Ich… hab mich umgedreht, da war der LKW nur ein paar Meter entfernt, ich wusste gar nicht, wie ich reagieren sollte.“

Remy schluckte, da war wieder der Kloß, der sie am Schlucken hinderte. „Er hat mich weggeschubst“, fuhr sie dann ganz nüchtern fort und starrte vor sich hin. „Dadurch ist er selbst ins Stolpern gekommen und gestürzt. Er hatte keine Zeit mehr, wieder aufzustehen… wenn er es getan hätte, wäre er wahrscheinlich tot.“ Sie wurde immer leiser, beim letzten Wort versagte ihr schließlich die Stimme komplett.

„Ich weiß noch nicht mal, ob es dem Fahrer gut geht“, warf sie einige Minuten später ein und sah wieder auf ihren Kollegen in dem sterilen Krankenbett. „Er ist tot“, meinte Foreman daraufhin prompt, was Remy herumfahren ließ. „Schlaganfall… Daher auch der Unfall. Mach dir keine Vorwürfe, du hättest nichts für ihn tun können.“ Remy biss sich auf die Unterlippe und nickte zaghaft, ehe sie sich zur Tür umwand und hinausging. „Wo willst du hin?“ – „Ich seh‘ mir die Akte von Chase an, damit mir noch mehr schlecht wird und ich Bescheid weiß, wenn er aufwacht und mich fragt“, erklärte sie so nüchtern wie möglich und suchte nach dem nächsten Arzt, der Dienst hatte.

„Und du solltest das Gleiche tun wie Taub. Es reicht, wenn zwei von uns fehlen.“ Woher sie diese Sachlichkeit nahm, wusste sie selbst nicht, doch sich weinend neben Chase zu setzen, brachte sie jetzt auch nicht weiter.


Als Remy zwanzig Minuten später die Krankenakte ergattern konnte, setzte sie sich damit auf den Gang und begann zu lesen.
Sein linkes Bein hatte weitaus leichtere Verletzungen als das rechte. Remy blickte auf und ließ den Unfall noch einmal Revue passieren. Sie konnte sich dunkel erinnern, dass Chase sein rechtes Bein angezogen hatte, um aufzustehen, während das linke flach auf dem Boden gelegen hatte. Somit war die Schwere der Verletzungen kein Wunder.

Im linken Bein hatte er sich Oberschenkel, Waden- und Schienbein gebrochen, letzteres sogar vierfach, weshalb die Operation nötig geworden war. Man hatte ihm Nägel eingesetzt und anschließend das Bein in Gips gelegt. Die Heilung würde jedoch höchstwahrscheinlich dennoch vergleichsweise schnell von Statten gehen, da die Frakturen glatt und ohne Absplitterungen waren.

Das rechte Bein hatte mehrere offene Trümmerfrakturen aufgewiesen. Sprunggelenk, sowie Schien- und Wadenbein hatte man daraufhin mit Stellschrauben und Platten stabilisiert und ihm einen Gips angelegt. Liegegipse. Absolute Ruhigstellung, mindestens sechs Wochen, anschließend Therapien bis er an Krücken gehen und zur Reha geschickt werden konnte.

Remy klappte die Akte zu und atmete tief durch. Ihr war so übel, dazu kamen noch die Schmerzen in der Schulter, doch sie ignorierte beides, da sie immerzu an Chase‘ Schreie auf der dunklen Straße denken musste. Was auch immer er für sie empfand, das konnte es nicht wert sein.

Langsam stand sie auf und ging wieder in den Aufwachraum zurück, wo sie ihm kurz über die Wange strich und sich anschließend auf das Sofa legte, das an der Wand stand. Sie konnte es nicht verhindern, nach nur wenigen Augenblicken war sie eingeschlafen, jetzt, da sie einmal zur Ruhe kam.

Remy schlief einfach weiter und wurde auch nicht von Chase‘ Seufzen wach, als er blinzelnd die Augen öffnete.
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Kapitel 16

Das Erste, was Chase sah, als er die Augen aufschlug, war sein Bein, das in einem 90-Grad-Winkel eingegipst vor ihm hing. Er musste einen Moment nachdenken, bevor er wieder genau wusste, was passiert war. Die Narkose zeigte noch ihre Nachwirkungen, sodass er nur langsam alles für sich sortieren konnte. Er hoffte, auch die Schmerzen würden ihm so noch eine Weile erspart bleiben.

Er hob den Kopf leicht an, sodass er sein anderes Bein sehen konnte: Ebenfalls hochgelagert, jedoch nicht durch eine Schlinge sondern auf einem Kissen, an die Schmerzen angepasst, die er noch nicht hatte. Erschöpft ließ er den Kopf wieder zurückfallen und drehte ihn leicht zur Seite, wobei sein Blick auf Remy fiel. Sie schlief noch immer, wahrscheinlich hatte sie nicht auf ihn gehört und war die gesamte Zeit im Krankenhaus geblieben, so unvernünftig wie sie war.

Erst nach einigen Augenblicken bemerkte er die Armschlinge und machte sich sofort große Sorgen um sie. Was war passiert? Hatte sie ihm eine Verletzung verschwiegen, die er ihr zugefügt hatte, um ihn nicht zu beunruhigen?

Vorsichtig drehte er seinen Oberkörper ein wenig, doch es wollte nicht klappen. Beide Beine waren von den Zehen bis über den Oberschenkel eingegipst, er konnte sich keinen Millimeter rühren. „Remy“, flüsterte er vorsichtig.

Sie schlief so tief, dass seine leisen Rufe sie nicht weckten, so beschloss er, sie schlafen zu lassen.

Einige Minuten später kam jedoch schon eine Schwester herein, um nach ihm zu sehen. Als sie erkannte, dass er aufgewacht war, erhielt er nicht sehr viele Informationen von ihr, bevor noch eine zweite Schwester kam, damit sie ihn gemeinsam auf Station bringen konnten.

Von dem plötzlich entstandenen Krach erwachte Remy schließlich und sah sich benommen um. „Chase“, flüsterte sie dann für sich und stand auf, um gleich neben das Bett ihres Kollegen zu treten. „Na du“, meinte er lächelnd und griff schwach nach ihrer Hand. „Was ist passiert?“ Er nickte zu ihrem Arm hin.
„Sie haben gleich viel Zeit, sich zu unterhalten“, meinte eine der Schwestern schließlich ganz freundlich und Chase nickte, bevor sie ihn schließlich mit dem Bett hinausschoben. Remy folgte dem Umzug auf direktem Weg.


„Was ist passiert?“, fragte Chase erneut, als er wieder mit Remy allein war und sie sich neben sein Bett gesetzt hatte. „Ach, das ist gar nichts.“ Gleichgültig winkte sie ab und legte dann ihre Hand auf ihren Bauch. „Mit dem Baby ist aber alles in Ordnung?!“, fragte er darauf sofort bestürzt, sodass Remy ihm beruhigend ihre Hand auf den Unterarm legte. „Chase. Ich habe morgen sowieso einen Termin, ich bin mir sicher, dass alles gut ist.“ – „Und dein Arm?“ Er ließ einfach nicht locker; Remy seufzte. „Schulterprellung. Nicht der Rede wert.“

Chase sah sie lange an, musterte sie, ihren Körper, ihr Gesicht, endete bei ihren Augen. Sie wollte gerade durch irgendetwas diesen unangenehmen Moment unterbrechen, da wendete er seinen Kopf ab und starrte an die Decke. „Du hast Schmerzen… wegen mir.“ Remy konnte sich ein empörtes Lachen nicht verkneifen. „Chase, du bist schwer verletzt, wegen MIR! Du bist wohl der, der sich beschweren müsste!“

„Verstehst du denn nicht? Ich will nur, dass es dir gut geht. Und wenn wir da noch zehnmal stehen, ich würde mich immer und immer wieder vor den LKW werfen!“

Remy schluckte. „Das… solltest du aber nicht“, flüsterte sie. Als ob es dieses Thema nie gegeben hätte, wechselte Chase zum nächsten. „Wie wäre es mit einem Kuss?“, fragte er schief grinsend, woraufhin Remy ihn ungläubig anstarrte. „Vor…“ Er sah nach draußen, wo es langsam schon wieder dunkel wurde. „… einigen Stunden hast du es ohne eine Bitte getan“, erinnerte er sie.

Remy hatte nicht damit gerechnet, dass er, halb bewusstlos wie er gewesen war, viel von dem mitbekommen hatte, was sie getan hatte. „Aber da… ich hatte Angst, du würdest sterben“, gab sie zu und im selben Moment, da sie es aussprach, wurde ihr klar, wie verletzend das klingen musste. Als ob sie ihn unter anderen Umständen niemals küssen würde.

Chase‘ Reaktion fiel auch dementsprechend aus. „Du solltest jetzt gehen. Geh‘ nach Hause und schlaf dich aus“, meinte er tonlos und schloss die Augen. „Chase, bitte, ich…“ – „Remy, geh‘ jetzt bitte!“, wiederholte er nun deutlicher und mit Nachdruck.

Die junge Frau stand auf, griff nach ihrer Tasche und sah ihn an. Sie öffnete den Mund, um noch etwas zu sagen, schloss ihn jedoch wieder und ging zur Tür. „Klingel bitte nach den Schwestern und lass dir was gegen die Schmerzen geben“, meinte sie noch leise und besorgt, bevor sie das Krankenzimmer verließ.

Chase sah ihr nach, anschließend starrte er aus dem Fenster. Er hatte gedacht, sie wären sich etwas näher gekommen, doch genau in diesem Moment musste ihnen dieser dumme LKW in die Quere kommen. Dies war das einzige, woran er im Moment denken konnte; er hatte wohl noch nicht realisiert, wie es für ihn die nächsten Monate weiterging.


Remy eilte in Richtung Klinikausgang, um nicht mitten unter ihren Kollegen einen Weinkrampf zu bekommen. Als ihr die frische Luft ums Gesicht wehte, wurde es gleich ein wenig besser, doch trotzdem konnte sie die salzigen Tränen nicht zurückhalten, während sie sich zur Haltestelle auf den Weg machte und nach Hause fuhr.

In der Bahn fragte sie eine ältere Frau, ob alles ok mit ihr war; wahrscheinlich waren ihr die Armschlinge und Remys Gemütszustand nicht entgangen. Die junge Ärztin war daher froh, als sie endlich in ihrer Wohnung ankam und die Tür hinter sich zuschlug.

Auf direktem Weg ging sie in die Küche, holte ein Kühlpad aus dem Eisfach und legte sich damit sofort ins Bett. Nachdem sie sich unter Schmerzen die Schlinge abgenommen hatte, lagerte sie ihren Arm mit einem Kissen und platzierte die Kühlung auf ihrer Schulter. Nichts auf der Welt hätte sie dazu bringen können, ihre Schulter noch weiter zu bewegen, sodass sie sich nicht die Mühe gemacht hatte, sich umzuziehen.


Nur wenige Minuten nachdem Remy gegangen war, ließ die Narkose vollständig nach und brachte für Chase furchtbare Schmerzen mit sich. Dadurch, dass er sich kein bisschen bewegen konnte, wurde die ganze Sache noch unerträglicher.

Außerdem hatte er nun Zeit zum Nachdenken und wünschte sich, er hätte Remy nicht weggeschickt. Er hatte vollkommen überreagiert, sie war die ganze Nacht und den ganzen Tag bei ihm gewesen, war vollkommen übermüdet und hatte auf den harten Stühlen gewartet, obwohl sie auch verletzt war. Und kaum öffnete er endlich die Augen, schickte er sie grob aus dem Zimmer.

Was hatte er erwartet? Dass sie ihm einen Heiratsantrag machen würde, sobald er die Augen aufschlug? Er wusste, dass sie Zweifel hatte, was Beziehungen generell anging, daher hatte er sie auch nie wirklich gedrängt. Für ihre Verhältnisse hatte sie daher in den letzten 24 Stunden sehr große Schritte gemacht.
Schließlich hielt er es nicht mehr aus und kam Remys Rat nach: Er klingelte nach einer Schwester, um stärkere Schmerzmittel zu erbitten.
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Kapitel 17

Während Remy die Schmerzen noch lange nicht schlafen ließen, sank Chase, zum einen durch die Medikamente, zum anderen vor Erschöpfung, schon bald wieder in einen tiefen Schlaf.

Remys Gedanken schweiften immer wieder zu Chase ab, wie er reagiert und was er gesagt hatte. Dabei hatte sie nur ehrlich sein wollen. Doch in diesem Punkt verstand sie ihn auch einfach nicht. Wie konnte er davon ausgehen, dass sie ein Paar waren, nur weil sie ihm in einer Schocksituation einen Kuss gegeben hatte? Sicher verhielt sie sich auch nicht ganz fair und hätte direkt nach der OP etwas rücksichtsvoller mit ihm umgehen können, doch das änderte an den Tatsachen nichts.


„Wie geht es unserem Helden?“, fragte House am nächsten Tag in der Mittagspause, als Remy gerade aufstehen und zu ihrer Untersuchung und ihrem Physiotherapeuten gehen wollte. Sie war recht froh, dass es an diesem Tag keine Notfälle gegeben hatte, da sie, um den Fragen der anderen vorzubeugen, auf die Armschlinge verzichtet und einen Rollkragenpullover angezogen hatte, um den Bluterguss zu verstecken, der sich in einem 30 Zentimeter großen Umkreis um die Schulter ausgebreitet hatte. Den Arm auch zu irgendetwas zu benutzen, war jedoch ausgeschlossen. „Woher soll ich das wissen?“, gab Remy zurück und versuchte möglichst nicht allzu umständlich von ihrem Stuhl aufzustehen und die Tür mit der anderen Hand zu öffnen.

„Noch nicht Händchen gehalten heute?“ House‘ Fragen machten Remy wahnsinnig aggressiv, die Kopfschmerzen, die sie noch zusätzlich bekommen hatte, trugen dabei nicht gerade etwas Positives bei. „Wieso fragen sie ihn nicht selbst?“, zischte sie ihm so mit zusammengebissenen Zähnen zu. „Er war heute noch nicht hier.“ House zuckte mit den Schultern und grinste Remy an, die ihn wütend anstarrte.

Bevor sie sich zu einem bissigen Kommentar hinreißen lassen konnte, eilte sie aus dem Zimmer.


Bei ihrem Frauenarzt erfuhr sie, dass mit ihrem Baby alles ok war, so ging sie gleich weiter zur Physiotherapie. „Ich würde gerne ein paar Termine machen“, erklärte Remy und legte ihr Rezept auf den Tresen bei der Anmeldung. Zuerst hatte sie es auf direktem Wege in den Müll wandern lassen wollen, doch als sie sich am Morgen vor Schmerzen dreimal hatte übergeben müssen, hatte sie es sich ganz schnell anders überlegt.

Die Dame an der Anmeldung lächelte freundlich und sah mit dem Rezept in der Hand auf den Terminplaner. Als sie feststellte, dass Remy ohnehin zweimal die Woche zur Behandlung kam, schrieb sie die Zusatzbehandlungen gleich mit dazu. „Wenn Sie eine Viertelstunde warten können… Ein Patient ist ausgefallen, er hätte nachher gleich Zeit.“ Remy überlegte kurz, nickte jedoch schließlich. House würde seine Mittagspause auch bis ins Unermessliche dehnen, da konnte sie auch ein paar Minuten länger weg bleiben.

Während Remy im Wartezimmer saß, stützte sie ihren Arm mit der anderen Hand und dachte an Chase. Wie es ihm wohl ging? Sicher hatte er Schmerzen… und niemanden, der ihn davon ablenkte. Seufzend beschloss die junge Frau, nach ihrem Dienst zu ihm zu gehen, als sie auch schon aufgerufen wurde.


„Eine Schulterverletzung? Remy, ehrlich, hast du nicht allmählich genug von Ärzten und Medikamenten und Therapien?“ Sven, Remys Therapeut, grinste sie an. „Ach, ich kann davon einfach nie genug kriegen!“, grinste sie zurück und zuckte mit den Schultern, woraufhin es ihr beinahe die Luft nahm.

„Mh, sieht ja nicht gut aus.“ Er zog die Augenbrauen zusammen und stützte ihren Arm, während sie den Ärmel vorsichtig darüber zog. „Du lieber Himmel! Wird Zeit, dass du vorbeikommst. Hat dir dein Arzt keine Bandage verschrieben?“ Remy sah ihm etwas zerknirscht in die Augen. „Ah ja, du bist zu fein, um sie zu tragen?“, mutmaßte er, um Remy aus der Reserve zu locken. Denn er wusste, dass sie nicht zu eitel war, sondern es einen anderen Grund geben musste. „Nein!“, gab sie prompt zurück. „Ich hab eine Armschlinge bekommen. Aber… du kennst doch House und die anderen machen sich immer zu viele Sorgen. Mir geht’s gut.“ – „Ja, das sehe ich.“ Er war wahnsinnig amüsiert über Remys Benehmen.

„Ok, na los jetzt.“ Langsam führte er Remy zu einer Liege und ließ sie hinlegen. „Ultraschall, Elektrotherapie und Massagen sollen es also sein?“, grinste er weiterhin. „Ultraschall wäre mir lieber als Strom“, gab sie zu und sah ihn an. „Ich bin schwanger, ich will kein Risiko eingehen“, erklärte sie, da er sie verständnislos angesehen hatte. „Ehrlich? Meinen Glückwunsch“, lächelte er. „An der Schulter tut das gar nichts zur Sache, aber wenn es dir lieber ist, dann lassen wir das“, beruhigte er sie. „Nein, mach nur deine Arbeit, du weißt schon, was du tust“, grinste sie etwas schief; sie wollte nicht, dass mit dem Baby etwas passierte, doch wenn er sagte, dass es ok sei, dann vertraute sie ihm.

Remy genoss die Behandlung, auch wenn sie durch die Berührungen Schmerzen hatte. „Danke, dass du mich gleich reingeschoben hast. Keine Ahnung, wie ich über die nächsten Tage kommen soll“, gestand sie ehrlich. Sie war es gewohnt, dass ihre Medikamente, die sie normalerweise nahm, jeden Schmerz im Keim erstickten, so war sie nun wahrscheinlich überempfindlich.

„Kein Problem, wenn es gleich so passt. Versprichst du mir, dass du die Schulterbandage trägst, die ich dir gebe?“, fragte er dann gespielt grimmig. „Bandage? Das heißt völlige Ruhigstellung, wie soll ich da arbeiten?“ Sven sah sie perplex an. „Du ARBEITEST? Keine Krankschreibung?“ – „Ich wäre nicht mal beim Arzt gewesen, wenn er mich nicht gezwungen hätte. Bin dann auch dementsprechend schnell wieder gegangen, bevor er mit sowas anfangen konnte“, erklärte sie gleichgültig und entspannte sich wieder. „Geh‘ bitte nochmal zum Arzt und hol das nach.“ – „Wozu? Was soll ich den ganzen Tag machen?“

Sven sah sie an und überlegte, wie er es am besten formulieren konnte. „Machst du dir Gedanken wegen deinem Kollegen?“ Remy blickte ruckartig auf, was sie sofort bereute. „Was hat das mit Chase zu tun?“ Sven zuckte die Schultern. „Keine Ahnung, das frage ich dich. Willst du dich ablenken? Kann ich verstehen. Aber dass ihr euch beide am gleichen Tag verletzt, muss wohl in der Luft gelegen haben“, schmunzelte er und zog die Augenbrauen hoch, als er Remys steifen Blick sah. „Sven, es war ein und derselbe Unfall“, sagte sie mit Nachdruck.

„Wenn er nicht dabei gewesen wäre, dann würdest du entweder in ein paar Wochen die Handhabung eines Rollstuhls mit mir üben oder an meinem Grab stehen und nicht diese lächerliche Prellung behandeln.“ Remy schluckte und drehte den Kopf zur Seite.

„Das wusste ich nicht, tut mir leid“, gab er zu und entfernte die Saugnäpfe, anschließend half er Remy, sich aufzusetzen. „Kein Thema“, flüsterte sie und biss die Zähne zusammen. So gut ihr der Strom auch getan hatte, letztendlich war der Schmerz fast unverändert, als sie sich wieder bewegte.

„Geh‘ zum Arzt, bitte“, wiederholte er und half ihr in den Pullover, anschließend legte er ihr die Schulterbandage an. Remy seufzte, zum einen, da es so angenehm war, zum anderen, da sie einsah, dass sie so nicht arbeiten konnte und dies gefiel ihr gar nicht. „Versprochen“, gab sie so nur schief grinsend zurück.


Als Remy bei ihrem Arzt eintraf, tadelte er sie sofort, da sie nicht gleich am Morgen zu ihm gekommen und stattdessen arbeiten war. Er schrieb sie vorerst für eine Woche krank, um zu sehen, ob es besser wurde.

Anschließend legte sie den Krankenschein bei House auf den Schreibtisch, da er, wie sie vermutet hatte, noch immer nicht zurück war und machte sich schweren Herzens auf den Weg zu Chase‘ Krankenzimmer.
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Kapitel 18

Remy klopfte sanft mit ihrer heilen Hand an die Tür, bevor sie sie nach einem Herein von drinnen öffnete. „Tut mir leid“, meinte sie gleich, da sie glaubte zu stören. Eine Schwester brachte Chase gerade einen Tee und ein Stück Kuchen, so wollte sie die Tür wieder schließen.

„Remy, bleib hier“, ertönte da jedoch die Stimme ihres Kollegen, so hielt sie inne und kam zögerlich ins Zimmer, gerade als sich die Schwester wieder auf den Weg nach draußen machte. Die Tür fiel ins Schloss und die beiden Kollegen waren unter sich.

Remy blieb neben der Tür stehen und sah ihn an, einige Sekunden sagte keiner etwas, dann begann sie: „Chase, tut mir leid, was ich gestern gesagt habe. Das war wahnsinnig unfreundlich und ich… Ich war total überfordert.“ Chase schien absolut nicht sauer auf sie zu sein, denn er lächelte und nickte zu einem der Besucherstühle hin. „Hör auf, dich zu entschuldigen, ich hab mich wie der letzte Arsch benommen.“ – „Nein, hast du n…“ – „Doch. Ok, wir sind quitt?! Also kein Wort mehr davon. Aber kann ich dich um etwas bitten?“

Remy sah ihn mit hochgezogenen Brauen an. „Sicher?!“ Er schmunzelte über ihre Unsicherheit. „Bitte nenn‘ mich nicht die ganze Zeit beim Nachnamen, ich tu das doch auch nicht.“ Remy spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss, so senkte sie den Blick und nickte. „Lässt sich… einrichten, denke ich“, schmunzelte sie und beobachtete Chase kurz dabei, wie er versuchte, den Kuchen zu essen, den die Schwester ihm auf das Esstablett vor ihm gestellt hatte.

„Warte, ich helf‘ dir“, meinte sie gleich und stand auf, als ihr auffiel, dass sie selbst nur einen Arm benutzen konnte. „Remy, meine Arme sind in Ordnung“, meinte er amüsiert. „Aber wenn du das Kopfteil noch etwas steiler stellen könntest, wäre es perfekt“, gab er dann zu. Froh, dass sie irgendetwas tun konnte, kam sie seiner Bitte nach. „Danke, gut so“, meinte er nach einer Weile leise. Er saß nicht wirklich aufrecht, doch alles andere bereitete ihm zu große Schmerzen.

Während er nun zu essen begann, setzte Remy sich unsicher wieder hin. Sie wusste nicht wirklich, was sie sagen sollte. Chase nahm es ihr ab, indem er sie fragte: „Die Verletzung ist also doch schlimmer?“, und sie damit in Verlegenheit brachte. „Nein, ist sie nicht. Sven war der Ansicht, dass es eine normale Armschlinge nicht tut und ich den Arm erstmal gar nicht bewegen soll“, gab sie Auskunft.

Sie wollte sich nicht wieder alles aus der Nase ziehen lassen, am Ende wären sie dann nur unnötig beide genervt. „Jetzt musst du wegen mir noch mehr Behandlungen über dich ergehen lassen“, meinte er darauf nur geknickt, worauf Remy den gesunden Arm in die Luft warf. „Cha… Robert, bitte! Wenn du nicht gewesen wärst, wäre ich querschnittsgelähmt, tot oder irgendwas nahe dran… Ich kann das nie wieder gut machen.“

Remy sah ihm in die Augen und reichte ihm schließlich die Teetasse, da er mit dem Arm nicht heranreichte, ohne sich aufzurichten. „Doch, tust du schon, du bist hier“, gab er ehrlich zurück und griff nach ihrer Hand, bevor sie sich wieder auf ihren Stuhl zurückzog. Er schlug auf die Bettkante und bedeutete ihr, sich zu setzen, was sie auch, so vorsichtig wie möglich, um keine Erschütterungen zu verursachen, tat.

„Das ist keine Entschädigung für das hier.“ Sie machte eine vage Kopfbewegung zu seinen Beinen, die unverändert hochgelagert waren wie am Vortag. „Also, es könnte noch viel schlimmer sein“, gab er zu bedenken. „Es ist nur belastend, dass ich dir nicht hinterher kann, wenn du dich aus dem Staub machst“, feixte er und streichelte über ihre Hand. Remy blickte kurz darauf und sah dann davon ab. Es war so ungewohnt und dementsprechend schwer für sie, solche Berührungen zuzulassen.

„Warum verkrampfst du dich so? Ich will dir nichts tun“, gab Chase zu bedenken, als er ihr Unbehagen spürte. Remy sah ihn daraufhin an und schüttelte für sich den Kopf. „Es liegt nicht an dir… sondern an mir. Wenn ich mich auf Gefühle einlasse, besteht die Gefahr von Liebe“, flüsterte sie und zog ihre Hand weg, um ihm die Tasse wieder abzunehmen.

Als sie sie abstellte, verschüttete sie einiges auf das Tablett, da ihre Hand anfing zu zittern. „Alles ok?“, fragte Chase gleich besorgt, während Remy mit Papiertüchern aus dem Nachtschrank die Pfütze aufwischte. Als sie sich wieder setzte, sah Chase sie noch immer erwartungsvoll an. „Robert, ich bin krank“, meinte sie schließlich mit erstickter Stimme.

Für sie war es eine Erklärung für alles. Für ihr Missgeschick, aber auch für ihr abweisendes Benehmen allen anderen gegenüber und auch die Begründung, wieso sie nicht mit ihm zusammen sein wollte.

„Ich weiß. Aber das hat mich nie gestört. Und außerdem, sieh‘ mich an. Du bist das blühende Leben… Bitte, lass es uns versuchen.“ Remy konnte ihm nicht länger in die Augen sehen und fixierte so den Nachtschrank. „Noch“, gab sie leise zurück. „Es wird mir schlechter gehen, ich erwarte ein Kind. Wieso solltest du dich mit um ein Kind kümmern wollen, das nicht von dir ist? Wieso solltest du dich um mich kümmern wollen?“ – „Weil ich dich liebe“, kam es wie aus der Pistole geschossen zurück, worauf Remy die Augen schloss.

„Und genau das ist das Problem“, flüsterte sie vor sich hin. „Dass… ich dich liebe? Also hast du mich nicht auch… ein kleines Bisschen gern?“, fragte er vorsichtig und sah von ihr ab. „Nein, nicht das ist das Problem… Sondern das“, gab sie noch leiser als zuvor zurück, beugte sich über ihn und gab ihm einen intensiven Kuss. Chase erwiderte ihn und legte einen Arm um sie, woraufhin sie zusammenfuhr. Er hatte sich an ihre linke Seite, die mit der kaputten Schulter, gelehnt. „Entschuldige!“, sagte er sofort. „Nein, vergiss es“, gab sie zurück und küsste ihn erneut, während sie ihm sanft durchs Haar strich.

Als sie sich wieder zurücklehnte, hatte sie Tränen in den Augen, die Chase wegstrich. „Bin ich so ein schlechter Küsser, dass du gleich weinen musst?“, fragte er lieb nach und streichelte ihr über den Rücken. Remy musste durch ihre Tränen hindurch schmunzeln. „Nein, aber das ist so falsch“, meinte sie leise. „Und außerdem bin ich schwanger, ich darf grundlos weinen“, grinste sie dann und legte seine Hand, die sie streichelte, auf dem Bett ab.

„Jetzt musst du dich aber wieder ein bisschen ausruhen“, meinte sie gespielt streng und stellte das Bett wieder flacher ein, was Chase ein erleichtertes Seufzen entlockte. „Du musst mir sagen, wenn du Schmerzen hast, wieso wartest du so lange?“ Chase grinste entschuldigend. „Ich hatte eben Angst, dass du dann aufhörst, mich zu küssen“, gab er beschämt zu. „Außerdem ist die Lage beinahe egal“, fügte er dann noch ehrlich hinzu.

Remy sah ihn traurig an und streichelte ihm über die Brust, während ihr Blick zu den Gipsen wanderte, die seine Beine leider zieren mussten.
„Ich darf sechs Wochen nicht aufstehen“, meinte er plötzlich, was Remy mit einem Nicken bestätigte. „Ich weiß. Und dass ich der Grund dafür bin, ist unerträglich.“ Doch Chase schien sich mit etwas ganz anderem zu beschäftigen. „Darf ich mit dir ausgehen, sollte ich irgendwann wieder laufen können? Ich kann verstehen, wenn du das nicht willst“, erklärte er ernst.

„Was heißt denn hier sollte? Natürlich kannst du wieder laufen. Und ich würde mich freuen“, antwortete sie ihm mit einem süßen Lächeln im Gesicht.
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Kapitel 19

„Was sehen meine Äugelchen? Die Schöne und das Biest!“ Keiner der beiden hatte House ins Zimmer treten hören, nachdem sich Remy ganz vorsichtig neben Chase gelegt und sich an seinen Oberkörper gekuschelt hatte. Sie waren beide kurz vorm Einschlafen, als die Stimme die Stille zerriss.

„Guten Tag, House“, meinte Chase trocken, während Remy sich unter Schmerzen wieder aufrichtete. „Stellen die hier seit neuestem nur noch ein Bett für zwei Personen zur Verfügung? Warum tragen Sie die Bandage nicht schon den ganzen Tag?“ Er deutete mit seinem Stock auf Remy, die die Augen verdrehte: Ohne irgendein Wort des Mitgefühls oder wenigstens einer guten Besserung zu verlieren, sprach er sie an, dabei war er seit dem Unfall noch kein einziges Mal bei Chase gewesen.

„Weil ich sie vorhin erst bekommen habe… Wollen Sie ihm nicht vielleicht irgendwas sagen?“, fragte sie nun gereizt und nickte zu Chase hin. House schürzte die Lippen, tat so, als müsse er überlegen und meinte schließlich: „Wenn Sie zu lange ausfallen, muss ich einen Ersatz einstellen. Was übrigens auch für Sie gilt.“ Er wendete sich wieder Remy zu, die ihn nun noch wütender anstarrte. „Keine Sorge, ich werde Ihnen bald wieder auf den Geist gehen“, zischte sie. „Das will ich doch meinen, zumindest solange Sie der kleine Bastard nicht davon abhält. Und damit meine ich nicht Chase.“ Mit diesen Worten öffnete er die Tür und machte sich wieder auf den Rückweg zu seinem restlichen Team.

Remys Hände zitterten jetzt wie verrückt; wieso musste er immer so verletzend sein? Konnte er sich nicht einfach aus allem heraushalten, wenn er nicht ein einziges nettes Wort über die Lippen brachte? „Remy, nimm dir das nicht so zu Herzen, es ist House“, meinte Chase sofort besorgt und griff nach ihrer Hand, doch Remy zog sie weg. Sie hasste ihre Krankheit, gerade jetzt wurde es ihr wieder ganz besonders bewusst, sie ließ sie schwach wirken.

„Hey.“ Er griff erneut nach ihren Fingern und dieses Mal ließ sie ihn. „Ich hasse sie“, flüsterte sie. „Ich hasse die Krankheit.“ Chase zog leicht an ihrer heilen Schulter, sodass sie sich wieder hinlegte und er seinen Arm um sie legen konnte. Es war also gar nicht vordergründig House gewesen, der sie so aus der Bahn geworfen hatte.

„Ich möchte sie mit dir gemeinsam durchstehen“, meinte Chase leise und streichelte ihr durchs Haar, doch Remy schüttelte schnell den Kopf. „Niemals ziehe ich dich da mit rein“, gab sie stur zurück und ballte ihre zitternden Finger zur Faust. „Du brauchst Hilfe… Früher oder später brauchst du jemanden, der für dich da ist.“

Remy schluckte und drehte ihren Kopf von ihm weg. „Es gibt Heime, dort sind Leute, die sich täglich um Pflegefälle kümmern und somit vertraut damit sind. So muss sich keiner von euch genötigt fühlen, ab und zu bei mir vorbeizuschauen, um zu sehen, ob ich noch lebe.“ Chase zog die Augenbrauen zusammen und lehnte seinen Kopf an ihren. „Was redest du denn da.“ Es kam bei ihr nicht oft vor, in Gegenwart anderer, um genau zu sein eigentlich nie, dass sie am kompletten Tiefpunkt angelangte.

Doch jetzt war einer dieser Momente und er hatte keine Ahnung, wie er damit umgehen sollte. „Ich bin nicht immer die, die du zu kennen glaubst“, flüsterte sie. „Ich bin anders und ich werde mich noch viel mehr verändern. Ich bin nicht die, in die du dich verliebt hast.“ Sie wollte noch weitersprechen, doch Chase legte ihr einen Finger auf die Lippen. „Genau die bist du und keine andere.“


„Ihre Kollegen bevorzugen es, sich während der Dienstzeit in Krankenhausbetten herumzulümmeln, anstatt zu arbeiten, finden Sie das in Ordnung?“, fragte House Foreman und Taub, als er wieder zurück war. „Kollege-N?“, fragte Foreman sofort. „Was ist mit Remy?“ House verdrehte die Augen, als ob das nicht ihr Name wäre. „DREIZEHN…“, betonte er extra „… findet es nett, sich an Ihren Kollegen ranzumachen, der nunmehr noch verkrüppelter ist, als ich es bin. Und bevor ihr hier auch noch irgendwelche Anfälle bekommt, abgesehen von der kaputten Schulter fehlt ihr nichts, sie ist nur zu Besuch“, klärte er auf.

„Wenn Sie keine Arbeit mehr für uns haben, dann würde ich ihn jetzt gerne besuchen“, meinte Taub dann plötzlich. „Er denkt sicher inzwischen, dass er uns egal ist.“ – „Ist er das nicht?“, fragte House gespielt entrüstet und gab für die beiden somit die Bestätigung dazu ab, dass sie gehen konnten.


Wenig später klopften sie, nachdem sie aus dem Krankenhausshop einen Blumenstrauß besorgt hatten, an Chase‘ Krankenzimmer. Es waren inzwischen einige Stunden vergangen, sodass Remy nach einem kleinen Schläfchen an der Seite ihres Kollegen aufgestanden war, sich einen Zettel und einen Stift genommen hatte und nun aufschrieb, welche Dinge er von zu Hause brauchte. Beide sahen auf, als es klopfte und Chase „Herein!“, rief.

„Na ihr zwei“, meinte Taub, freudig, sie einigermaßen auf dem Posten anzutreffen. „Gleichfalls“, grinste Remy und lehnte sich an die Fensterbank, um den beiden anderen Platz zu machen.

Taub betrachtete seinen Kollegen und nickte nachdenklich mit dem Kopf. „Was?“, fragte Chase daher nach einer Weile. „Ach, nichts. Ich dachte mir nur gerade, eine schöne Scheiße, in die du dich da geritten hast“, grinste er. „Ich merk schon, das wird ein gehaltloses Männergespräch. Ich stell die Blumen ins Wasser“, meinte Remy schmunzelnd und verschwand aus dem Zimmer, um eine Vase zu besorgen.

„Amüsiert ihr euch gut?“, fragte Foreman, dem der Neid ins Gesicht geschrieben stand. Auch Chase ließ diese Frage, ebenso wie Taub, verwundert aufblicken. „Sag mal, spinnst du? Sie hat mich besucht, ist nämlich ganz schön beschissen, hier den ganzen Tag zu liegen und nur zu deiner Information, sie hat mich geküsst. Und auch das kann dir egal sein, weil sie nämlich nicht mehr mit dir zusammen ist!“ Chase war wirklich sauer, so reagierte er sonst nie. „Wenn du nur gekommen bist, um dich zu beschweren, dann kannst du gleich wieder gehen.“

Der Streit ging noch eine Weile so hin und her, Taub stand nur perplex daneben und blickte sie abwechselnd ungläubig an. So merkte auch keiner der drei, dass Remy schon wieder im Türrahmen stand und den größten Teil der Diskussion mitbekam. Erst als ihr die Vase aus der Hand fiel, blickten sie auf und sahen, wie Remy mit Tränen in den Augen anfing, die Scherben aufzusammeln.

„Was steht ihr so doof rum? Muss ich erst aufstehen und ihr helfen?“, fragte Chase nach einigen Momenten seine männlichen Kollegen, da Remy so schon genug mit sich selbst zu tun hatte. „Ihr seid doch bescheuert, alle beide!“, fluchte die junge Frau dann und wischte sich mit der Hand über die Augen, als Foreman anfing, den Boden von den Scherben zu befreien und Taub sie beim Arm nahm, um ihr wieder aufzuhelfen. Nur da Taub hier der einzige zu sein schien, der nicht den Verstand verloren hatte und da ihre Schulterschmerzen sie beinahe umbrachten, nahm sie die Hilfe auch an.


Chase und Foreman entschuldigten sich bei Remy, der jedoch in diesem Moment eigentlich alles egal war. Einige Minuten später, als ihr Exfreund gerade die Überreste der Vase wegbrachte, nickte Chase zu Remy hin, die sie aufs Sofa gelegt hatten und meinte leise zu Taub: „Kannst du dafür sorgen, dass sie heim kommt?“, worauf dieser nickte, kurz mit Remy sprach und sie dann langsam nach draußen begleitete, wo er sie in sein Auto verfrachtete und bis an die Wohnungstür brachte.

„Danke“, meinte sie schließlich leise und beschämt. „Nichts zu danken, liegt doch sowieso auf dem Weg… Hör mal, Foreman ist ein Idiot, bestraf Chase nicht dafür.“ Remy schüttelte grinsend den Kopf. „Er springt darauf an. Er muss nicht sein Revier abstecken, ich bin erwachsen und kann selbstständig Entscheidungen treffen, dazu brauche ich keinen von den beiden.“ – „Dann sei erwachsen und nimm es mit Humor“, zwinkerte er ihr zu, hob die Hand kurz zum Gruß und ließ sie allein.
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Kapitel 20

Als Remy am nächsten Tag bei Chase ankam, verlor sie kein Wort über die Geschehnisse des Vortages, sondern gab ihm einen flüchtigen Kuss: Die einfachste Methode, um ihm zu zeigen, dass sie nicht nachtragend war. Trotzdem entschuldigte er sich bei ihr, das Mindeste, was er tun konnte. „Schon ok, ich bin… im Moment nicht ich selbst, ich reagiere andauernd über.“ Chase drehte sich leicht zur Seite und streichelte seiner Kollegin über die Wange.

„Es war berechtigt, ehrlich… Wenn ich mir vorstelle, dass ich noch Wochen hier rumliege und nichts tun kann…“ Er stöhnte und verdrehte kurz die Augen. „Ich bring dir was zu Lesen und deinen Laptop“, versprach Remy daraufhin und legte ihre Hand über die von Chase, die noch immer an ihrer Wange ruhte.

„Stört es dich?“, fragte er leise und Remy schüttelte sanft den Kopf. „Nicht mehr“, gab sie lächelnd zurück und sah ihn lieb an. „Meinst du, wir könnten es miteinander versuchen?“ Remy blickte kurz von ihm ab und legte ihre Hand auf ihren Bauch, ehe sie ganz zaghaft nickte. „Wäre zumindest ein Anfang, um endlich zu wissen, woran wir sind“, grinste sie. „Und Robert muss ich dich ohnehin schon nennen, da ist man ja vom Händchenhalten und Rumknutschen nicht mehr weit entfernt“, fügte sie dann ganz scheinheilig hinzu.

Chase musste daraufhin grinsen und streckte seine Arme nach ihr aus, er kam jedoch nicht sehr weit, der Winkel, in dem er sich drehen konnte, war nicht gerade groß. So beugte Remy sich weiter zu ihm und ließ sich wohl das erste Mal seit einer sehr langen Zeit freiwillig von jemandem in die Arme schließen. Sie musste feststellen, dass es ein wunderschönes Gefühl war und sie es vermisst hatte.

Entspannt legte sie ihr Kinn auf Chase‘ Schulter und schloss die Augen, während seine Hände über ihren Rücken streichelten. Erst jetzt bemerkte sie, wie sanft er mit ihr umging, Acht gab, dass er ihre verletzte Schulter nicht belastete und wie vorsichtig seine Hände über sie wanderten. So konnte sie nicht anders, als zu lächeln und ihren rechten Arm um seinen Hals zu legen.


„Ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass Sie es noch mehr verbockt haben, als ich… Ich muss mich demnächst wirklich wieder mehr ins Zeug legen, von Ihnen lasse ich mich nicht übertrumpfen!“, meinte House, als er an diesem Vormittag Stunden nach dem eigentlichen Schichtbeginn im Besprechungsraum ankam und seinen Rucksack in die Ecke fallen ließ. Keiner der Anwesenden machte sich die Mühe, zu fragen, woher er von dem missratenen Besuch bei Chase am Vorabend wusste.

„SIE haben Chase besucht? Faszinierend. Wahrscheinlich haben Sie ihm nur Nettigkeiten mit auf den Weg gegeben“, meinte Taub trocken und studierte weiter die Akte, die vor ihm auf dem Tisch lag. „Zumindest habe ich seine neue Flamme nicht vertrieben, gerade als sie sich auf ihn einlassen wollte“, antwortete er darauf nur überrascht, wodurch er sich einen vernichtenden Blick von Foreman einfing, den er allerdings nur mit einem Grinsen beantwortete.

„Setzen Sie die neue Mum nicht so unter Druck, sie ist sowieso schon mit sich und der Welt überfordert“, murmelte House dann vor sich hin und ging zum Whiteboard, um die nächste Vermutung zu streichen. Die Visite hatte gezeigt, dass sie sich erneut geirrt hatten.


„Wie lange bist du krankgeschrieben?“, fragte Chase nach einer Weile, nachdem die beiden wieder aneinandergeschmiegt in seinem Krankenbett lagen und dösten. „Vorerst eine Woche. Keine Sorge, ich verbring sie mit dir“, meinte sie schmunzelnd und strich ihm durchs Haar. „Das musst du nicht. Du solltest mehr auf dich achten, dich wirklich mal zu Hause hinlegen, den Arm bequem lagern und nichts tun.“ Remy legte den Kopf schief und musste grinsen. „Bei dir kann man echt den Eindruck bekommen, dass du keine Gesellschaft willst!“, stellte sie nüchtern fest, sodass Chase seinen Arm um sie legte. „Ich will, dass es dir gut geht, das ist alles.“

Remy sah ihn mit einem Blick an, den man nur schwer deuten konnte. Sie bewunderte ihn so sehr, er lag hier vollkommen auf fremde Hilfe angewiesen, hatte nach wie vor Schmerzen, auch wenn es wohl langsam besser wurde und die Medikamente sie fast restlos beseitigen konnten und jammerte kein Bisschen über seinen Zustand. Stattdessen sorgte er sich nur um die Menschen um ihn herum.

„Es geht mir gut. Ich würde es dir sagen, wenn es nicht so wäre, versprochen. Und so habe ich Ablenkung, ich kann keine Schmerzmittel nehmen und würde sonst nur auf die pochende Schulter achten, wenn ich allein wäre.“ Chase nickte und sah sie liebevoll an. „Ich komm schnell wieder auf die Beine und dann verwöhne ich dich, glaub mir.“ – „Das glaub ich dir aufs Wort“, grinste sie ironisch und sah auf, als es klopfte und eine Schwester auf sein Herein mit Chase‘ Mittagessen hereinkam.

„Schön, dass Sie Besuch haben, Dr. Chase“, meinte die Schwester freundlich und sah auf Remy, die sie einfach nur ansah. „Wenn Sie Hilfe brauchen, dann klingeln Sie bitte“, fügte sie noch hinzu, nachdem sie ihm das Essenstablett herangeschoben hatte, als Remy sich aus dem Bett erhoben hatte und wieder Richtung Tür ging.

Als sie weg war, sah Remy Chase mit hochgezogener Augenbraue an. „Freundliches Personal? Hast du mit ihr geschlafen?“ Chase sah Remy zunächst perplex an, ehe er in einen Lachanfall ausbrach, der jedoch seinen Frakturen nicht allzu gut tat, sodass er sich schnell wieder zügeln musste. „Was?“, fragte Remy nun, die sich ziemlich veralbert vorkam.

„Naja, du… gehst davon aus, dass alle Leute unfreundlich sind und der einzige Grund, warum sie es nicht sein könnten, der dir einfällt, ist, dass ich mit ihnen geschlafen habe. Sorry, aber du benimmst dich wie House!“ Remy setzte ein gespielt böses Gesicht auf und kam auf ihn zu. „Den letzten Teil nehm ich dir übel“, flüsterte sie, ehe sie ihm einen Kuss auf den Mund drückte.


Während Chase aß, machte sich Remy auf den Weg in die Kantine, um ebenfalls etwas zu Mittag zu essen, anschließend nahm sie ihren nächsten Termin bei ihrem Therapeuten wahr, der sie an diesem Tag bis aufs Äußerste quälte. Neben der angenehmen Ultraschallbehandlung an ihrer Schulter musste sie anschließend Gymnastikübungen machen, um das Gelenk beweglich zu halten. Die Schmerzen, die sie danach hatte, hielten Sven jedoch nicht davon ab, auch noch die an ihre Krankheit angepassten Übungen durchzuführen, um ihr Gleichgewicht zu trainieren.

„Ich dachte wir machen das, damit ich länger gesund bleibe“, meinte Remy stöhnend, als sie fertig waren und sie auf dem Boden saß, wo sie ihre ohnehin schon bandagierte Schulter noch zusätzlich mit der anderen Hand abstützte und die Zähne zusammenzubiss, um nicht zu schreien. „Eine Prellung dauert ihre Zeit, besonders im Gelenk, das muss ich dir ja wohl nicht erklären.“ Remy verdrehte die Augen, grinste ihn jedoch noch einmal kurz an, bevor sie schließlich ging.
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Kapitel 21

Die Tage verstrichen, für Chase erschien es, als hätte jeder von ihnen mindestens die doppelte Stundenanzahl erreicht. Dinge änderten sich, früher hatte er sich gewünscht, der Tag hätte mehr als 24 Stunden, nun schien er nicht enden zu wollen. Ohne die Besuche von Remy wäre er wohl schon längst vollkommen verrückt geworden, oder hätte Experimente wie eigenständiges Aufstehen unternommen. So ließ er brav die Bettruhe über sich ergehen.

Seit zwei von den vier Wochen, die seit dem Unfall verstrichen waren, nahm Remy ihn bei schönem Wetter im Rollstuhl mit nach draußen. Er hatte Dank der Schmerzmedikamente kaum noch Schmerzen, sodass es umso belastender war, nur herumzuliegen. Diese kleinen Ausflüge wurden dadurch für ihn zum Highlight des Tages. Dennoch spürte er jedes Mal wieder, wie schwach er geworden war, er hatte ja schließlich auch keine Möglichkeit, etwas dagegen zu unternehmen.

Das Problem dabei war, dass er sein linkes Bein eigentlich schon lange hätte wieder leicht belasten müssen, doch das konnte er nicht, da er ja auch auf dem anderen nicht stehen konnte, so wollte er sich gar nicht vorstellen, wie schwer ihm das Gehen später fallen würde.


Zunächst freute er sich jedoch über den Anblick seiner schlafenden Freundin neben ihm, die nach ihrem Dienst immer sehr erschöpft war. Ihr Verhältnis war im vergangenen Monat wirklich sehr vertraut geworden und obwohl ihre Schulter immer noch ausheilen musste, ging es ihr im Vergleich zu den ersten Tagen schon wieder richtig gut. Nur ihre Krankheit war nicht so barmherzig, ihr Ruhe zu gönnen; durch die Schwangerschaft war das Händezittern schlimmer geworden, mitunter so schlimm, dass sie gar nichts mehr festhalten konnte und sie war fast nur noch müde. Selbst ihr verbitterter Kampf dagegen, ging nicht immer zu ihren Gunsten aus.

Sanft streichelte er ihr nun durchs Haar und betrachtete ihre entspannten Gesichtszüge, die sie im Schlaf hatte. Es war eine sehr nette Abwechslung, konnte er doch sonst nur die Bäume durchs Fenster begutachten, wenn sie nicht bei ihm war.

Vorsichtig wollte er die Zudecke noch etwas höher über sie ziehen, als er den dunklen Fleck auf ihren Jeans bemerkte. Schnell setzte er sich etwas auf, um sich zu vergewissern, dass er es sich nicht einbildete, ehe er Remy dann vorsichtig, jedoch auch dringlich wachrüttelte. „Remy, wach auf“, meinte er leise und wartete ab, bis sie die Augen offen halten konnte.

Ihre zitternden Finger schlossen sich um seine Hand, die er an ihrem Arm hatte, um sie zu wecken. „So liebevoll hast du mich ja noch nie geweckt“, nuschelte sie ironisch und verzog die Lippen zu einem schiefen Grinsen. „Was ist denn los?“ Chase sah sie an, streichelte ihr über die Wange. „Remy, du blutest.“ Er nickte zu ihren Hosen, was Remy sofort aufspringen ließ. Auch im Bett war schon ein großer Blutfleck, der sich deutlich von den weißen Lacken abhob. „Nein“, flüsterte sie und war schon den Tränen nahe, während Chase den Notfallknopf betätigte.

Kurz darauf kamen zwei Schwestern angelaufen, die schnell sahen, dass das Problem nicht bei Chase‘ Wohlbefinden lag. Dieser saß nun kerzengerade im Bett und konnte nur dabei zusehen, wie sie Remy schließlich in einem Rollstuhl aus dem Zimmer brachten, ehe er nur noch die verschlossene Tür anstarrte. Er wollte sofort zu ihr, doch er war an dieses Bett gefesselt. Was war passiert? Es war nichts Außergewöhnliches vorgefallen, was dem Baby geschadet haben könnte, doch das musste es auch nicht, er war Arzt, es konnte jederzeit passieren.


Nach einer gefühlten Ewigkeit, klingelte er erneut und bat die Schwester, ihm zu sagen, was mit Remy passiert war, nachdem sie das Zimmer verlassen hatten. Sie erklärte nur, dass sie darüber keine Auskunft geben durfte und wollte das Zimmer wieder verlassen.

„Stopp!“, rief Chase. So leicht ließ er sich nicht abfertigen. „Ist sie noch im Krankenhaus? Dann will ich zu ihr!“, erklärte er sofort und sah sie durchdringend an. „Bringen Sie mich hin!“ Die Unfreundlichkeit ließen auch ihn selbst seine Erziehung zu höflichen Bitten vergessen und da sie noch immer keine Anstalten machte, ihm zu helfen, schob er selbst seine Beine über die Bettkante und griff nach dem Rollstuhl neben seinem Bett.

Erst jetzt setzte sich die Schwester seufzend in Bewegung und half ihm, sich in den Stuhl umzusetzen und seine Gipsbeine in die dafür eingestellten Beinstützen zu legen. Anschließend brachte sie ihn, in für seinen Geschmack viel zu langsamem Tempo durchs Krankenhaus, doch er wollte sich nicht schon wieder beschweren.


Schließlich blieb sie vor einer Zimmertür stehen. „Drängen Sie sie nicht“, meinte sie nur kurz und ließ ihn dann allein. Zaghaft klopfte er an, wartete sicherlich eine Minute, ehe er noch einmal anklopfte, jedoch wieder keine Antwort erhielt. So öffnete er einfach die Tür und fuhr mit dem Rollstuhl herein, wo er sie wieder schloss.

Remy lag in dem für sie viel zu großen Krankenbett und sah aus dem Fenster. Sie drehte nicht einmal kurz den Kopf, als er hereinkam. Langsam manövrierte Chase seinen Rollstuhl bis neben Remys Bett, neben das er sich längs stellte, um so nah wie möglich bei ihr zu sein, was durch seine gerade nach vorn gestreckten Beine recht schwierig war. „Remy“, meinte er leise und legte seine Hand vorsichtig über die seiner Freundin. Ihre lag im Gegensatz zu seiner jedoch schwach und zitternd auf der Bettdecke.

Sie antwortete ihm nicht, doch sie zog ihre Hand auch nicht weg. Er wusste nicht, ob sie seine Nähe genoss, ohne es ihm zu zeigen, oder ob sie einfach zu abwesend war, um sich die Mühe zu machen, ihn von sich zu stoßen. Was es auch war, er würde sie jetzt nicht alleine lassen, wenn sie ihn nicht ausdrücklich darum bat.

Nach einiger Zeit brachte eine Schwester Remys Abendessen, doch die junge Frau rührte sich nicht, so stellte die Schwester es auf den Tisch und verließ das Zimmer wieder.

Es mussten mittlerweile fast drei Stunden vergangen sein, ehe Remy urplötzlich sprach, immer noch den Blick von Chase abgewandt. „Ich wäre sowieso keine gute Mutter geworden. Ich bin zu krank, als dass ich mich um so ein kleines Geschöpf kümmern könnte“, meinte sie ganz leise. Chase wusste, dass sie den Tränen nahe war, was er an ihrem krampfartigen Schlucken sehen konnte. „Remy, das ist nicht wahr. Du hast schon in der Schwangerschaft für das Kind so viel auf dich genommen.“ – „Ist ja jetzt auch egal“, flüsterte sie zurück und zog ihre Hand unter seiner fort.

Etwas wacklig auf den Beinen stand sie auf und nahm ihren Infusionsständer mit ans Fenster, wo sie ihre Stirn gegen die Scheibe lehnte. Bei diesen Bewegungsabläufen wirkte sie so unglaublich verletzlich und schwach. „Es ist besser so. Wenn es so etwas wie einen Gott gibt, dann wird er schon wissen, was er tut“, murmelte Remy vor sich hin. Ihr Arm, mit dem sie sich auf dem Fensterbrett abstützt, zitterte immer mehr, schließlich brach sie in einen Weinkrampf aus und ließ sich an der Wand herunterrutschen, wo sie ihren Kopf auf die Knie sinken ließ.

Chase wäre gern aufgestanden, um sie fest in den Arm zu nehmen, doch so konnte er nur mit dem Rollstuhl zu ihr kommen und ihr seine Hand hinhalten. „Remy, komm. Leg dich wieder hin“, meinte er leise und wartete darauf, dass sie sich aufhelfen ließ. Es dauerte jedoch eine ganze Weile, ehe sie sich wieder etwas beruhigt hatte und zitternd danach griff. Nur schwer kam sie wieder auf die Beine. Sie wenigen Schritte zum Bett waren mühsam, doch mit einer Hand am Infusionsständer und der anderen an Chase‘ Rollstuhl gestützt, klappte es schließlich und sie konnte sich wieder hinlegen.

„Wieso darf ich nicht glücklich sein? Ich würde gerne einmal einschlafen, ohne die Angst vor dem nächsten Tag und wie weit meine Krankheit über Nacht fortgeschritten ist. Nur einmal… Geh‘ bitte nicht weg“, fügte sie dann noch leise hinzu, als sie wieder anfing zu weinen. „Auf keinen Fall“, flüsterte Chase zurück und spürte, wie sie sich an seine Hand klammerte. „Robert… Ich hab mein Baby verloren“, flüsterte sie. Chase nickte: „Ich weiß.“ Liebevoll streichelte er ihr durchs Haar und ließ dabei ihre Hand nicht los.
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Kapitel 22

Als Remy am nächsten Morgen entlassen wurde, war Chase nicht mehr bei ihr. Auch wenn er sich zunächst geweigert hatte, sich von der Schwester in sein Zimmer zurückbringen zu lassen, nachdem Remy eingeschlafen war, wusste er doch, dass es nicht anders ging, schließlich war er selbst Patient. Schlafen konnte er jedoch sehr lange nicht, was Remy nach einer Zeit vor Überanstrengung gelungen war.


Remy wusste nicht, was sie als Nächstes tun sollte. Würde sie zu Chase gehen, musste sie mit ihm sprechen, würde sie zur Arbeit gehen, wie sie es eigentlich tun sollte, musste sie House und ihren Kollegen in die Augen sehen und ihre mitleidigen Blicke ertragen, House einmal ausgenommen, der sie vermutlich so sehr demütigte, bis sie wie ein Teenager heulend aufs Klo rannte.

So fiel ihr nichts Besseres ein, als sich in die nächste Straßenbahn zu setzen und nach Hause zu fahren. Doch schon als sie die Tür aufschloss und sich aufs Sofa setzte, wusste sie, dass es wohl die schlechteste Möglichkeit war, die sie gewählt hatte. Ihr Wohnung war leer, trostlos, wie eh und je und sie hatte nichts, worauf sie sich wirklich freuen konnte. Chase lag im Krankenhaus, wenn er zur Reha musste, würden sie sich noch weniger sehen und ihr Leben geriet wieder einmal völlig außer Kontrolle.

Das alles wäre erträglich gewesen, wäre da nicht dieser zerreißende Schmerz in ihrer Brust. Sie hatte ihr Kind verloren, ihr kleines Baby, alles, worauf sie wahrscheinlich je hätte stolz sein können. Sie wollte dieses Gefühl loswerden, es am besten komplett abschalten, und was käme da gelegener als ein Schrank voller Medikamente? Langsam ging sie in ihre Küche und nahm die Dose Antidepressive aus dem Hängeschrank, in den sie ihre gesamten Medikamente geräumt hatte, als ihr Schwangerschaftstest positiv ausgefallen war. Mit einem Glas Wasser nahm sie zwei der Tabletten und ein Schmerzmittel gleich dazu. Noch eine Minute Schulterschmerzen und sie würde durchdrehen, zumindest fühlte sie sich gerade so.

Als sie spürte, dass sie innerlich ganz ruhig wurde, legte sie sich sofort in ihr Bett. Es dauerte auch nicht mehr lange und die Schmerztablette tat ihre Wirkung, sodass Remy schon bald eingeschlafen war.


Nachdem man Chase beim Waschen geholfen und er gefrühstückt hatte, lag er wie so oft lustlos in seinem Bett und starrte die gegenüberliegende Wand an, doch ging ihm dieses Mal der Vortag durch den Kopf. Er konnte es noch immer nicht wirklich fassen, dass Remy ihre Hand nicht mehr süß schmunzelnd auf ihren Bauch legen und ihm dann einen Kuss geben würde.

Er wusste, dass sie heute entlassen worden war, doch eigentlich fand er es unverantwortlich, sie in ihrem Zustand nach Hause zu schicken. Keiner konnte wissen, ob sie stabil genug war, damit zurecht zu kommen. Er wusste es. Das war sie definitiv nicht, obwohl sie doch ziemlich gefasst reagiert hatte.
Beunruhigt schob er sich in seinen Kissen etwas nach oben und griff dann seitlich in seinen Nachtschrank, in dem sein Handy lag.

Nachdem er zuerst bei Taub und anschließend bei Foreman angeklingelt hatte, jedoch niemand ans Telefon gegangen war, versuchte er es zögerlich bei House. „Was gibt’s?“, meldete dieser sich schneller als gewöhnlich. „Ist Ihnen Ihre knackige Tussi abhandengekommen, nach dem Schock von gestern?“, fragte er ganz gelassen, woraufhin Chase beinahe schon wieder auflegen wollte, doch als er an sich nach unten sah und ihm klar wurde, dass er an dieses Bett gefesselt war, fasste er sich ein Herz.

„Ich wollte Sie bitten, kurz nach ihr zu sehen. Ich weiß, dass sie entlassen wurde… und gehe davon aus, dass sie nicht zur Arbeit gekommen ist. Ich mache mir Sorgen um sie“, erklärte er ehrlich und atmete dann erstmal tief durch. „Geht klar, soll ich was ausrichten?“ Chase war sehr überrascht, über die Reaktion, sodass er für einen Moment gar nichts sagen konnte. „Ähm… Sie… soll keine Dummheiten machen“, meinte er schließlich nur und ein Hupen in der Leitung verkündete ihm, dass House das Gespräch damit für beendet erklärt hatte.


Wenig später stand House vor Remys Wohnungstür und klingelte. Nachdem sie ihm nach fünf Minuten noch immer nicht geöffnet hatte, zog er kurzerhand den Zweitschlüssel, den er vor Jahren hatte anfertigen lassen, aus seiner Hosentasche und ließ sich einfach selbst herein. Remy hatte das Klingeln nicht geweckt, so stand House nun mitten in ihrem Schlafzimmer an die Wand gelehnt und sah sie an.

Als ob sie seine Anwesenheit spürte, wurde die junge Frau langsam wach und fuhr mit einem Aufschrei in die Höhe, als sie ihren Boss stehen sah. „Sind Sie wahnsinnig?! Wieso stehen Sie mitten in meinem Schlafzimmer rum?“, wollte sie wissen und zog sich die Decke weiter nach oben, während sie sich aufsetzte. House zuckte mit den Schultern und sah sich um. „Sie öffnen die Tür nicht, also packe ich die Gelegenheit beim Schopf und werfe einen Blick auf ihre Liebesgrotte. Nicht so spektakulär, wie ich dachte.“

Er verzog das Gesicht leicht und setzte sich dann auf den Stuhl, der vor Remys Kommode stand. „Und, kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein, Sie vielleicht herumführen, oder haben Sie genug gesehen?“, fragte sie sarkastisch, während sie ihn nicht aus den Augen ließ. „Chase schickt mich“, meinte er schließlich, was Remy aufhorchen ließ. „Ist… alles in Ordnung mit ihm?“ – „Das Gleiche wollte er von Ihnen wissen. Achja, und… Sie sollen keine Dummheiten machen“, wiederholte er die Worte von Chase, was Remy zu Boden blicken ließ.

„Die Tatsache, dass Sie noch nicht bewusstlos in einer Ecke liegen, lässt mich davon ausgehen, dass Sie diese Anweisung nicht benötigt hätten. Ihr abwesender Blick und ihre harmlose Reaktion auf mein Erscheinen in ihrem Schlafgemach lässt mich hingegen darauf schließen, dass Sie bereits zu Ihrem gewohnten Tablettenkonsum zurückgekehrt sind. Das wird Ihrem Freund gar nicht gefallen.“

Remy sah House wütend an. Warum sie sauer war, wusste sie nicht wirklich. Wahrscheinlich war es einfach die Tatsache, dass er immer Recht haben musste. „Es geht ihn nichts an, was ich schlucke.“ – „Nicht solange Sie sich nicht umbringen zumindest“, gab ihr Chef ohne zu überlegen zurück.

„Hören Sie…“, begann Remy, doch House fiel ihr sofort ins Wort. „Nein, hören Sie! Es ist Ihr Problem, was Sie mit Ihrem Leben anstellen, aber schalten Sie ihr Hirn ein, bevor Sie was Unüberlegtes tun. Denken Sie an den lebensmüden Irren im Krankenhaus, der sich für Sie zum Krüppel hat fahren lassen und versauen Sie nicht alles gleich wieder mit Ihrer Sturheit und dem sinnlosen Einnehmen von Medikamenten, er ist nämlich für Sie da und kann besser zuhören, als die Pillendose.“

Remy sah House eine Zeit lang nur an, wobei ihr bildlich gesprochen der Mund offen stand. Ohne Ironie hatte er einmal ganz offen seine Meinung gesagt, was wahrlich nicht oft oder eigentlich überhaupt nicht vorkam. „Und das von Ihnen, wo Sie ja so gegen Schmerzmittel sind.“ – „Ich habe nichts gegen Schmerzmittel gesagt“, grinste er und sah sie an. Remy seufzte und stand langsam auf.

„Ob Sie es glauben, oder nicht, House, seelische Schmerzen sind viel schlimmer.“
Ohne auf sie einzugehen, öffnete House die Tür, woraufhin sie ihm folgte, um ins Bad zu gehen. „Machen Sie sich frisch, ich nehme Sie wieder mit zurück… Außer Sie bevorzugen die Straßenbahn.“ Obwohl Remy erst zögerte, kam sie der Anweisung schließlich nach.
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Kapitel 23

Remy konnte es noch immer nicht wirklich fassen, dass sie sich von House hatte überreden lassen, in sein Auto zu steigen und das Krankenhaus an diesem Tag noch einmal zu betreten. Als sie schließlich auf dem Beifahrersitz saß, wusste sie jedoch, dass es nun für eine Umentscheidung zu spät war. Als ihr Chef losfuhr, lehnte Remy ihren Kopf an die Scheibe, bald darauf schloss sie wegen der Erschütterungen die Augen.

„Mal wieder von der Welt verarscht worden, mh?“ Remy antwortete nicht, sondern ließ ihn einfach reden. „Ich sag Ihnen was: Ohne Kind sind Sie in ein paar Jahren besser dran. Und wenn dieser Hornochse sich dazu entschließen sollte, bei Ihnen zu bleiben… oder vielleicht sollte ich eher sagen, falls Sie ihn bis dahin nicht vergrault haben, können Sie beide noch einen ganzen Stall voller Quälgeister züchten.“

Wäre Remy nicht erwachsen, hätte sie sich jetzt vermutlich die Finger in die Ohren gesteckt, nur um House irgendwie aus ihrem Kopf zu verbannen. So intelligent und aufmerksam er auch war, in diese Situation konnte er sich einfach nicht hineinversetzen. Dieses Gefühl, das sie gerade begleitete, ging viel tiefer, als er es sich vorstellen konnte.

„Sie reden nur so, weil Sie den Menschen nicht als Individuum behandeln. Anderenfalls wäre Ihnen vielleicht klar, dass es für mich nicht wichtig ist, von wem das Baby war, denn es war mein Kind.“ – „Fötus“, erinnerte House sie sofort, was sie sich wieder komplett verschließen ließ, hatte sie doch einen Moment begonnen, sich ihm zu öffnen.


House äußerte sich während der übrigen Fahrt nicht mehr zu dem Thema, sondern plapperte belanglose Dinge über die Sportergebnisse und General Hospital vor sich hin. Auf dem Parkplatz angekommen, stieg Remy ohne ein weiteres Wort aus und ging zum Krankenhaus hinüber, wobei House sich auf sein Autodach stützte und ihr kurz nachblickte.


Bevor sie mit irgendwem anders konfrontiert werden konnte, lief Remy auf direktem Wege zum Krankenzimmer ihres Kollegen, wo sie sanft anklopfte und sich dann wartend gegen die Tür lehnte, bis ein „Herein“, von drinnen ertönte. Chase‘ Stimme klang verwundert, sicherlich rechnete er nicht mit ihr und genauso war es, denn als sie die Tür öffnete, war das Erste, was er von sich gab: „Remy?!“ Sie rang sich ein Grinsen ab, schloss die Tür und setzte sich auf seine Bettkante, dorthin, wo sie immer saß, wo ein frisches Lacken überzogen worden war und sich noch ein paar Stunden zuvor ihr Blut befunden hatte.

Chase richtete sich auf und stützte sich mit den Unterarmen hoch, während er ihren Rücken betrachtete, da sie im Moment noch zum Fenster hinausstarrte. „Du hättest nicht extra kommen müssen“, begann er vorsichtig und streichelte ihr über den Rücken, fuhr ihr sanft dort entlang, wo ihre Wirbelsäule eine Linie auf dem dünnen Oberteil bildete.

Bei seiner Berührung zuckte sie zusammen und versteifte sich kaum merklich, worauf Chase sofort seine Hand zurückzog. „Entschuldige, ich kann… das jetzt nicht“, flüsterte sie und stützte ihren Kopf auf ihre rechte Hand; die Wirkung der Tablette ließ nach und damit kamen die Schmerzen zurück, sodass sie ihren linken Arm in Schonhaltung in ihren Schoß legte.

„House hat mich mitgenommen“, erklärte sie plötzlich zusammenhangslos. „Ich frag mich die ganze Zeit… ob es nicht vielleicht besser so ist.“ Zum ersten Mal sah sie auf und drehte sich leicht zu Chase um, sodass sie ihm in die Augen sehen konnte. „Ich hab mein Antidepressivum wieder eingenommen, in der Hoffnung, dass es leichter wird. Wird es nicht.“

Für Chase war es in diesem Moment sehr schwierig, seiner Freundin zu folgen, da sie jeden Gedanken, den sie hatte, sofort aussprach. Und ihr ging gerade wahrlich viel durch den Kopf. „Aber jetzt kann ich mich wenigstens voll und ganz um dich kümmern“, meinte sie schließlich und schien den für sich einzig sinnvollen Gedanken erfasst zu haben. „Mir wäre es lieber, wenn du erstmal wieder auf die Beine kämst… Und ich meine nicht nur psychisch.“ Erneut legte er ihr seine Hand auf den Rücken, dieses Mal erlaubte sie es und ließ sich leicht dagegen sacken.

„Wenn nicht psychisch, wie dann?“ Sie blickte auf ihre zitternden Hände hinab, die auf ihren unruhigen Beinen lagen und schüttelte leicht den Kopf. „Es wird doch nur schlimmer und das weißt du.“ Sie hatte sich inzwischen wieder voll und ganz entspannt und sich neben Chase gelegt, auch wenn es einige Überwindung gekostet hatte, sich an die übliche Stelle niederzulegen.

„Du hast immer noch Schulterschmerzen“, gab er zu bedenken und liebkoste ihre langen Haare, indem er die weichen Wellen durch seine Finger gleiten ließ. „Ich bekomme zweimal die Woche Massagen, das geht schon“, gab sie schnell zurück; sie wollte nicht länger darüber sprechen. Auch Chase spürte dies und wechselte so rasch das Thema. „Ich auch. Von dem ganzen Rumliegen bringt mich mein Rücken fast um. Und nachher hab ich noch meine Röntgenkontrolle.“

Remy begrüßte es sicherlich, wenn sich nicht immer alles um sie drehte, er wusste, wie sie dies hasste. „Dann wollen wir mal hoffen, dass du früher aufstehen darfst“, schmunzelte sie leicht gequält, gab sich dann jedoch noch einen Ruck und lehnte ihren Kopf an seine Brust, während sie ihm sanft über den Arm fuhr.
Als sie bemerkte, wie das Zittern stärker wurde, schob sie ihre Hand möglichst unauffällig in ihre Hosentasche. „Kein Streicheln mehr?“, fragte Chase darauf sofort etwas gespielt enttäuscht und streichelte über Remys Wange.

„Ich kenne den Verlauf deiner Krankheit, du musst dich nicht verstecken.“ – „Ich verstecke mich nicht! Wieso denkt ihr alle, ich verstecke mich?! Es ist eben nicht so ein zauberhaftes Gefühl, mit seinem Freund im Bett zu liegen und zu kuscheln und dabei überhaupt keine Kontrolle über sich selbst zu haben! Du hast keine Ahnung wie beschissen das ist!“ Remy wurde erst bewusst, dass sie ihn angeschrien hatte, als sie das entsetzte Gesicht von Chase sah. „Robert, ich… es tut mir leid“, meinte sie vollkommen neben sich stehend und drückte sich ihre Hand auf die Augen.

Chase legte sanft seine Arme um die junge Frau und zog sie noch näher an sich. „Auch dafür musst du dich nicht entschuldigen“, gab er zu bedenken. Remy wollte es nicht zugeben, doch sie wurde in Chase‘ kräftigen Armen sofort viel ruhiger. „Es ist verständlich, dass es dir schlecht geht, ich weiß, was du gerade durchmachst. Kein Wunder, dass die Krankheit macht, was sie will. Lass mich einfach bei dir sein.“

Remy schüttelte den Kopf an seiner Brust. „Du kannst nicht alles auf meine Krankheit schieben“, flüsterte sie erstickt und drückte ihr Gesicht in die Krankenhausbettwäsche. „Du hattest dich immer im Griff, früher wärst du nie so ausgerastet.“ – „Früher war mein Leben auch noch kein Trümmerhaufen“, gab sie sofort zurück und seufzte. „Ich wünschte, ich könnte dir irgendwie helfen“, meinte er traurig und sah auf ihre Haare, das einzige, was von ihrem Kopf sichtbar war. Genau in diesem Moment riss sie ihn jedoch hoch. „Nein! Genau das ist es, was ich nie wollte. Dass du wegen meinen Problemen schlecht drauf bist.“

Eine Schwester kam herein, brachte lächelnd einen Kaffee und verschwand wieder. „Das macht man aber so, wenn man mit jemandem zusammen ist. Du warst doch auch um mich besorgt“, gab er zu bedenken und nahm einen Schluck von dem heißen Getränk. „Das bin ich auch immer noch, aber das ist etwas anderes. Da geht es nicht um…“ – „Es ist nichts anderes… Gehen wir nach draußen?“, fragte er dann im gleichen Atemzug, sodass Remy nicht weiter in diesem inzwischen sehr ausgedehnten Thema herumstocherte. „Nur, wenn du dich gut genug fühlst.“ Remy grinste schief und stand auf. „Besser wird es nicht“, murmelte sie leise und nahm die Jacke von Chase aus dem Schrank.
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Kapitel 24

Die Wege um das Krankenhaus waren allesamt eben, sodass Chase sich mit dem Rollstuhl gut vorwärtsbewegen konnte. Remy hätte ihm auch nur wenig helfen können, hielt sie ihren Arm doch noch immer am liebsten in Schonhaltung vorm Körper und konnte ihn kaum belasten. Es machte ihr so auch nichts aus, dass sie nur langsam vorankamen, die frische Luft tat einfach gut und der zuweilen schneidende Wind machte ihr den Kopf klar.

„Ziemlich stürmisch heute“, stellte Chase fest, um ein belangloses Gespräch zu beginnen. Remy zuckte mit den Schultern, was sie schnell bereute und antwortete nur: „Es wird Herbst.“ Nach weiteren zehn Metern blieb Chase stehen, was auch Remy dazu veranlasste. „Und wie geht es jetzt weiter? Mit… uns?“

Remy fragte sich, wie er das anstellte, immer genau die Fragen zu stellen, auf die sie am wenigsten vorbereitet war. So sah sie ihn nun zunächst an, ehe sie den Blick abwandte und ein altes Ehepaar auf einer der Bänke beobachtete. Verliebt wie eh und je sahen die beiden sich in die Augen und hielten Händchen. „Siehst du die beiden?“, fragte Remy schließlich und nickte in die Richtung, in die sie geblickt hatte.

„Das wirst du mit mir nie haben. Alles was übrig bleibt, ist ein gebrochenes Herz und ein kaputtes Leben, das für dich nie wieder normal sein könnte, egal wie sehr du dich anstrengst.“ Remy wollte weitergehen, doch Chase hielt sie am Handgelenk fest. Sie blickte kurz auf seine Finger, die sich sanft, jedoch gleichzeitig auch entschlossen um ihren Arm gelegt hatten. „Wir müssen nicht uralt werden, um glücklich zu sein“, gab er zu bedenken und löste seinen Blick erst von Remys Augen, als ihre Hand zu zittern begann. Auch sie sah auf ihre Finger hinab und schmunzelte. „Das ist es, was ich meine“, flüsterte sie, wand sich aus seinem Griff und ging weiter, auf der nächsten Bank setzte sie sich und starrte einfach ins Leere.

„Wenn du von der Reha zurück bist, ziehe ich vorübergehend bei dir ein, solange du noch Hilfe brauchst. Meine Wohnung wäre mir zwar lieber, aber ich hab keinen Aufzug“, erklärte sie sachlich, als ihr Kollege wieder bei ihr war. „Das musst du nicht, ich komme zurecht.“ Remy schüttelte den Kopf. „Wenigstens das bin ich dir schuldig, wieder gut machen, was du für mich getan hast, kann ich sowieso nicht. Wenn du danach immer noch der Meinung bist, dass wir zusammen gehören… dann sehen wir weiter. Bis dahin: Keine Küsse, kein Kuscheln, kein Streicheln. Okay?“

„Aber Sex ist in Ordnung?“ Remy schloss wütend die Augen, als sie die Stimme von House hinter sich hörte. „Wir unterhalten uns gerade. Also WAS wollen Sie?“, fragte sie verärgert und drehte sich langsam zu ihm um. „Nichts. Ich war gerade spazieren, da habe ich Sie beide gesehen und wollte mal Hallo sagen“, meinte House scheinheilig und grinste sie an. „Hallo“, meinte Remy mit säuerlichem Unterton und wandte sich wieder von ihm ab. Chase zog die Brauen zusammen, was House tatsächlich dazu brachte, wieder zu gehen. Schließlich konnte er nicht zugeben, dass er nur hatte sehen wollen, ob mit Remy alles in Ordnung war.

Chase schwieg einen Moment, als House wieder gegangen war. „Kein Kuscheln? Willst du mich umbringen?“, fragte er schließlich, um das Ganze etwas aufzulockern, doch Remy legte den Kopf schief und sah ihn verzweifelt an. „Ok, von mir aus. Ich weiß nur nicht, was diese extremen Maßnahmen sollen“, erklärte er ehrlich und wollte gerade seine Hand nach ihrer, die sie zitternd in ihren Schoß gelegt hatte, ausstrecken, als ihm klar wurde, dass das jetzt auch der Vergangenheit angehörte.

„Nur so können wir herausfinden, ob wir einander fehlen“, vertrat sie ihre Seite weiterhin, worauf Chase sie liebevoll ansah. „Du fehlst mir jetzt schon“, meinte er leise und sah dann von ihr ab. Remy seufzte, erwiderte jedoch nichts und begleitete ihren Kollegen dann nach einigen Minuten wieder nach drinnen.


Auch wenn Remy es sich nicht eingestehen wollte, verlangten die nächsten Wochen alles von ihr ab. Immer, wenn sie in das sehnsüchtig lächelnde Gesicht von Chase blickte, wollte sie sich ihm am liebsten sofort in die Arme werfen. Die eigentlich sonst immer erholsamen Nachmittagsschläfchen wurden ohne den warmen, festen Arm um ihren Körper zur Qual. Umso schwerer war es, ihn regelmäßig zu besuchen und auf Abstand zu bleiben, insbesondere dann, wenn sie ihn stützte und sie sich, ohne Zärtlichkeiten auszutauschen, näher nicht sein könnten.

„Sei vorsichtig, du musst mir nicht jeden Tag wieder beweisen, dass es dir besser geht“, meinte Remy tadelnd, als sie Chase seine Krücken hinhielt und er sich ohne die Hilfe anzunehmen, vom Bett hochstützte. „TEILbelastung, weißt du, was das bedeutet?“, grinste sie ihn an und drückte ihm dann die Krücken in die Hände.

Obwohl er bereits vier Wochen Reha-Aufenthalt hinter sich hatte, war er noch sehr unsicher und schwach, was nach sechs Wochen Bewegungslosigkeit, einer Woche passiver Bewegung und drei Wochen vorsichtiger Belastung kein Wunder war. „Ich hab die Schnauze voll, kapierst du das nicht?“, fragte er stöhnend und ging ganz langsam einige Schritte. Während sein linkes Bein durch einen festen Verband stabilisiert wurde, trug er am rechten noch immer eine steife Orthese, die ihm bis übers Knie reichte.

„Doch, schon. Aber wenn du es erzwingst, geht es auch nicht schneller. Im Gegenteil, du machst es nur wieder schlimmer.“ Remy konnte nachvollziehen, wie er sich fühlte; nach einem Sprung aus dem Baumhaus als sie vierzehn war, durfte sie ihren gebrochenen Oberschenkel wochenlang nicht belasten. „Ich war fast drei Monate nicht zu Hause. Es reicht einfach.“ Die fünf Meter vom Bett zum Tisch hatten sehr lange gedauert, was Remy erst feststellte, als sie ihm den Stuhl zurecht zog und er sich darauf sinken ließ.

„Noch eine Woche, dann hast du es geschafft.“ Chase schnaufte und sah sie an. „Na hör mal! Dann kannst du heim, das ist doch was.“ – „Und dann? Ich kann kaum vom Bett bis hierher laufen… Und jetzt schau nicht so überrascht, ich hab deinen Blick gesehen.“ Remy strich sich die Haare nach hinten und seufzte. „Du bekommst weiter Physiotherapie, was mir im Übrigen sehr recht ist, denn dann kann ich meine Termine gleich so legen, dass sie zusammenfallen und muss nicht extra ins Krankenhaus.“

Sie grinste, bemerkte jedoch den nach wie vor verzweifelten Gesichtsausdruck ihres Kollegen und sah ihm in die Augen, während sie zögerlich ihre Hände auf seine legte. Chase blickte auf und schloss seine Finger um die von Remy; sanft streichelte er darüber. Das darauffolgende Zucken ließ ihn seine Hände nicht wegnehmen, er wusste, dass es keine Absicht gewesen war, es ging ihr in den letzten Tagen nicht so gut, doch sie sagte es ihm nicht.

„Du fehlst mir“, wiederholte er leise die Worte, die er vor inzwischen eineinhalb Monaten an sie gerichtet hatte. „Ich bin doch jeden Tag hier“, gab sie nachdenklich zurück, obwohl sie genau wusste, wovon er sprach. „Es geht dir nicht gut, was ist los?“, fragte er nun zum ersten Mal, woraufhin Remy den Blickkontakt löste. „Es geht mir gut… Du fehlst mir auch“, gab sie schließlich leise zu.

Chase zog leicht an ihrem Arm, bis sie aufstand und neben ihm in die Hocke ging. Zögerlich legte sie ihren Kopf in seinen Schoß und die Arme um seine Hüften, während er ihr über den Rücken streichelte. „Na also“, meinte er leise und schmunzelnd. „Was, na also?“ – „Wir sind uns fern geblieben und haben es beide nicht länger ausgehalten. Da hast du das Ergebnis deiner idiotischen Probe“, meinte er, zog sie an sich und gab ihr einen langen, zärtlichen Kuss, den sie, nach kurzem Zögern, erwiderte.

Als sie sich wieder zurücklehnte, stieß sie mit ihrer erneut zuckenden Hand das Wasserglas von Chase um, woraufhin seine Hose vollkommen nass wurde. „Verfluchter Mist!“, entkam es ihr und sie rannte ins Bad, um gleich darauf mit einem Handtuch alles trocken zu tupfen. In ihrer Hektik und den immer wieder gemurmelten Flüchen, hielt Chase ihre Arme bald von hinten fest und zog sie vom Tisch weg. „Lass mich!“, ging sie ihn an. „Remy! Remy! Hör auf, es ist bloß Wasser.“ Widerwillig schüttelte sie den Kopf und rollte sich weinend in seinen Armen zusammen.
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