37. Kapitel
Lisa sah furchtbar aus. Sie musste Tage oder Wochen nicht geschlafen und die ganze Zeit über geweint haben.
„Wow. Waren die alle noch hier?“, fragte Wilson und deutete auf die Möbel. Lisa nickte und sie setzten sich. „Wie geht´s dir?“, fragte Wilson. Lisa sah ihn an und entgegnete mit einer Gegenfrage: „Wie soll´s mir schon gehen, wenn meine beste Freundin meinen Freund küsst?“
Die Betonung dabei lag auf „beste“.
Wilson antwortete nichts darauf. Er wusste wie es einem in so einer Situation geht.
„Die Briefe.“, sagte Wilson, als er sie entdeckte, „Hast du sie alle gelesen?“ Lisa nickte und sagte: „Ich saß da, als ich sie gelesen hab“ Sie zeigte zu einem Schrank. „Ich hab dagegen gelehnt und die meiste Zeit geweint, als ich sie gelesen hab.“, sagte Lisa. Wilson entgegnete nichts darauf. Er sah Lisa nur besorgt an. „Wie geht´s Greg?“, fragte Lisa. Wilson sah sie nicht an. Er sah auf den Boden und antwortete: „Es geht ihm nich gut, Lisa. Er is echt fertig. So hab ich ihn noch nie gesehen. Er hat Schmerzen. Sehr schlimme Schmerzen. Ich glaub, wenn er könnte, würde er sich wieder mit Vicodin vollpumpen. Er bleibt die meiste Zeit in seinem Zimmer und will niemanden sehen. Wenn er ma rauskommt, spricht er kaum. Ich glaube er weint viel. Er is sich nichma mehr sicher, ob ihr noch zusammen seid. Er vermisst dich wirklich sehr, Lisa.“ Lisa sagte darauf nichts. Sie stand nur auf und ging in die Küche. Wilson sorgte sich und ging ihr hinterher. „Hey, is alles okay?“, fragte er. Lisa nickte nur, aber fing an zu weinen.
Das alles von House zu hören, tat ihr in der Seele weh und es tat ihr schrecklich leid.
Wilson sagte nichts mehr. Er nahm sie nur in den Arm.
„Jasmin leidet auch, Lisa. Sie is bei DSDS rausgeflogen, weil sie nich mehr hingegangen is. Sie weint auch oft und seitdem du weg bist, hat sie nich mehr gelacht. Nichma annähernd gelächelt. Sie sagt, dass du sie anschreien, sie schlagen darfst und sowas. Aber die Stille hält sie nich mehr aus. Du liegst ihr wirklich sehr am Herzen, Lisa.“, erzählte Wilson. Lisa löste sich aus der Umarmung und sagte: „Das is mir egal. Sie is selbst schuld. Ich will nix mehr mit ihr zu tun haben und dabei bleibt´s auch.“ „Na schön. Dann melde dich aber wenigstens bei House. Ich weiß nich wie lange er das noch durchhält, Lisa.“, sagte Wilson. Lisa entgegnete nichts darauf. „Bitte!“, sagte Wilson und in seiner Stimme schwangen Sorge, Trauer und Mitgefühl mit. Lisa nickte daraufhin nur. „Gut. Ich geh jetz wieder.“, sagte Wilson dann. Sie standen auf und gingen zur Tür. „James, kommst du morgen wieder?“, fragte Lisa hoffnungsvoll. Wilson schüttelte den Kopf und sagte: „Nein. Aber ich kann übermorgen wiederkommen, wenn du willst.“ Lisa nickte. Sie war erleichtert, dass sie wenigstens mit ihm reden konnte und er sie verstand. „James.“, sagte Lisa, als Wilson schon auf halbem Weg nach draußen war. Er drehte sich erneut um. „Du erzählst Jasmin doch nix, oder?“ Wilson schüttelte den Kopf und sagte dann: „Bis dann.“ Lisa nickte, ging wieder in ihre Wohnung und Wilson ging nach Hause.
Als er zuhause ankam, saß Jasmin allein im Wohnzimmer und sah Fern. Wilson zog seine Jacke aus, ging zu Jasmin, gab ihr einen Kuss und ging dann zu House. Er klopfte an, doch obwohl House nicht „herein“ gesagt hatte, öffnete er die Tür. „Ich hab nich herein gesagt, Wilson!“, sagte House ohne aufzusehen.
Er lag im Bett und starrte an die Decke. Auf seiner Brust lag ein T-Shirt von Lisa und auf ihrem Kopfkissen lag ein Foto von ihr und House.
House sah noch schlimmer aus, als Lisa. Die Schmerzen, der Streit mit Lisa, die vermeintliche Trennung, all das hatte ihm schwer zugesetzt.
„House, ich hab mit Lisa geredet.“, sagte Wilson, doch House verstand nicht. „Ja, ich hab auch mit ihr gesprochen und Jasmin auch. Durch die Tür!“, entgegnete House.
In seiner Stimme lag keine Betonung. Er sprach total monoton.
„Nein! Sie hat mich rein gelassen. Ich hab ihr erzählt wie es dir geht und sie hat geweint.“, erzählte Wilson. House sagte nichts darauf und Wilson fügte hinzu: „Sie wird sich bei dir melden, House.“ House sagte immer noch nichts. Er lag einfach nur da, als hätte Wilson nie etwas gesagt. Wilson war besorgt, aber er ging.
Er wusste, dass es nichts bringen würde weiter hierzubleiben und mit ihm zu reden.
Bevor er die Tür schloss warf er noch einen besorgten Blick auf House, ging dann ins Wohnzimmer und setzte sich neben Jasmin. Jasmin fragte nicht was Wilson bei House wollte. Nicht, weil es sie nicht interessierte. Es interessierte sie sogar brennend. Nein, sie hatte einfach keine Lust zu reden.
Nach zwei Tagen ging Wilson wieder zu Lisa. „Ich hab mich noch nich bei Greg gemeldet.“, sagte Lisa sofort, als sie dir Tür öffnete. Wilson betrat die Wohnung und sagte: „Ich weiß.“ Lisa sah ihn fragend an und Wilson erklärte: „House liegt immer noch im Bett und starrt die Decke an.“
Sie sprachen noch über viele andere Sachen und bevor Wilson ging, fragte Lisa: „Soll ich ihn anrufen?“ Wilson zuckte mit den Schultern und antwortete: „Ich weiß es nich. Das musst du wissen. Nur treffen könnt ihr euch nich mit House´ Bein.“ Lisa überlegte einen Moment und Wilson sagte: „Du kannst doch zu ihm gehen. Komm doch gleich mit.“ „Hmm…“, überlegte Lisa. „Aber Jasmin.“ „Die is nich da. Sie geht in letzter Zeit wieder oft spazieren.“, entgegnete Wilson sofort. Einen Moment sagte Lisa nichts. Lisa konnte es auch nicht mehr aushalten von House getrennt zu sein, deshalb nahm sie ihre Jacke und sie gingen.
„Er is in seinem Zimmer.“, sagte Wilson, als sie die Wohnung betraten. Lisa ging zu House und klopfte an. Sie wartete einen Moment. House reagierte nicht auf das Klopfen, doch Lisa öffnete trotzdem die Tür. Sie ging zu ihm und setzte sich auf´s Bett. „Wie geht´s dir?“, fragte sie ihn. House sah sie an und sagte: „Das is ne überflüssige Frage.“ Lisa sah ihn an und fragte: „Tut dein Bein sehr weh?“ House sah Lisa wieder nur an und Lisa wusste was er dachte. „Was soll ich denn sagen, Greg? Ich wollte nich, dass…“ Sie wusste nicht wie sie es ausdrücken sollte und House beendete den Satz: „Dass ich wieder so ein Krüppel werde?“ „Nein! Nein, Greg!“, entgegnete Lisa, doch House wollte ihr nicht zuhören. Er stand auf und sagte: „Geh einfach, Lisa!“ Lisa sah ihn an, House machte einen Schritt, doch er sank vor lauter Schmerzen zu Boden. Lisa sprang auf und setzte sich neben ihn. „Greg, du… du…“, stammelte sie. Sie sahen sich an und hatten beide Tränen in den Augen. Lisa konnte den Satz nicht beenden, denn sie küssten sich.
Es war ein leidenschaftlicher Kuss und Lisas Herz schlug Purzelbäume.
„Tu mir das nie wieder an!“, sagte House anschließend. Lisa schüttelte den Kopf und House fragte: „Kommst du jetz wieder zurück?“ Lisa schüttelte wieder den Kopf und antwortete: „Nein. Jasmin… Ähm… Ich will nich…“ Sie wusste nicht was sie sagen sollte, doch nachdem sie seinen Blick gesehen hatte, sagte sie: „Ich überleg´s mir.“
Als Lisa ging, stand Wilson gerade im Wohnzimmer und redete mit Jasmin. „Schatz, was machst du denn schon hier?“ Jasmin wollte ihm gerade antworten, doch dann sah sie Lisa und sagte: „Lisa!“ Lisa blieb einen Moment stehen und wollte dann gehen.
Bevor sie jedoch die Tür öffnete, fragte sie: „Hast du´s wieder gemacht?“ Jasmin sah schockiert zu Wilson und fragte Lisa dann: „Was gemacht?“ „Na dreima darfst du raten.“, antwortete Lisa. Jasmin überlegte einen Moment und sagte dann: „Ähm… geweint, meiner Schwester Geld geliehen oder mich geritzt. Aber bei dir würd ich denken geritzt. Stimmt´s?“ „Sag du´s mir.“, antwortete Lisa, woraufhin Jasmin sagte: „Ich weiß ja nich ob du mir glaubst.“ „Deine Antwort lautet nein oder?“, fragte Lisa. Jasmin nickte nur und Lisa ging.
Als eine weitere Woche vergangen war, zog Lisa wieder bei House ein. Sie hatte lange überlegt ob es eine gute Idee war, aber im Endeffekt hielt sie es nicht weiter ohne House aus.
Lisa ging Jasmin dennoch immer noch aus dem Weg.
Irgendwann saßen sie zusammen im Wohnzimmer und sahen Fern. Wilson und House waren arbeiten.
Jasmin hielt es nicht länger aus, zog ihren Ärmel hoch und zeigte Lisa ihren Arm. „Da. Ich hab´s wieder gemacht. Ich weiß du kannst es nich leiden, aber ich musste es einfach machen. Ich kann´s nich lassen. Es is wie ne Sucht.“, sagte Jasmin. Lisa erwiderte erst nichts, doch nachdem Jasmin noch etwas gesagt hatte, stritten sie sich sehr heftig.
Lisa ging nach ihrem Streit zu House in die Klinik und Jasmin ging in ihr Zimmer. Sie weinte sehr heftig. Sie legte sich ins Bett und zitterte.
Als Wilson nach Hause kam, sagte er: „Is jemand zuhause? Schatz, bist du da?“ Er ging ins Zimmer und sah Jasmin auf dem Bett liegen. Sie hörte Musik und weinte immer noch. Wilson ging sofort zu ihr, setzte sich auf´s Bett und fragte: „Herr Gott Schatz, was is denn passiert?“ Jasmin schluchzte und antwortete: „Ich… ich hab mich mit Lisa gestritten.“ „Ihr habt euch doch schon öfter gestritten. Ihr kriegt das bestimmt wieder hin.“, sagte Wilson, doch Jasmin schüttelte nur den Kopf. „Nein. Die… diesma is das a… anders.“ Jasmin konnte nicht weiterreden, denn erneut überkam sie ein heftiges Weinen. Wilson rückte näher zu Jasmin und nahm sie in den Arm. „Schht… Es wird bestimmt alles gut.“, sagte er beruhigend. Jasmin sah ihn eine Weile mit verweinten Augen an und sagte: „Küss mich, James!“ „Was?“, fragte Wilson verwirrt. „Küss mich!“, wiederholte Jasmin.
Seit Lisa gegangen war hatten sich Wilson und Jasmin nicht mehr richtig geküsst. Sie hatten sich immer nur einen kleinen Kuss gegeben, aber nie einen richtigen.
Wilson war etwas verwirrt, doch er wischte Jasmin die Tränen weg und kam ihr ganz langsam immer näher.
Es war, als würden sie sich zum ersten Mal küssen. Sanft und sehr vorsichtig berührten sich ihre Lippen, als könnte bei jeder Berührung etwas Schlimmes passieren. Jasmins Puls schnellte bei der ersten Berührung seiner Lippen auf 180 und ihr Herz raste.
„Wow! Was war denn das?“, fragte Wilson anschließend. Jasmin ließ sich zurück in ihre Matratze sinken und antwortete: „Das war… einfach fantastisch!“
Wilson zog sich sein Jackett aus, machte seine Krawatte ab und ging dann wieder zu Jasmin. Er legte sich ins Bett und Jasmin legte sich in seinen Arm.
Nach einer Weile fing sie wieder an zu weinen und Wilson wusste warum. „Schatz, rede doch nochma mit ihr. Ich bin mir sicher, wenn ihr nochma in Ruhe miteinander redet, kriegt ihr das wieder hin.“, sagte Wilson. Jasmin sagte nichts darauf. Sie wusste nicht ob es so eine gute Idee war noch einmal mit Lisa zu reden. Denn sie wusste ja, dass sie das Thema nicht gut fand.
Am nächsten Morgen sprach Wilson mit Lisa. „Lisa, rede doch nochma mit Jasmin. Ihr geht´s echt scheiße. Ich mein, ich find´s doch auch nich gut, dass sie sich ritzt und ich mach mir doch auch Sorgen um sie. Aber, wenn wir auf Abstand gehen hilft ihr das doch auch nich.“, sagte Wilson. „Wenn sie mit mir reden will, soll sie kommen.“, entgegnete Lisa nur. Wilson erwiderte nichts mehr darauf. Er musste auf Arbeit.
Einige Minuten später kam Jasmin ins Wohnzimmer und setzte sich zu Lisa. „So da bin ich. Reden wir.“, sagte sie. „Fang an.“, entgegnete Lisa und Jasmin begann.
Sie redeten ziemlich lange und ruhig miteinander. Und schon bald war alles wieder okay. So schien es zumindest.
Schon bald zog Jasmin sich und Robert an und fuhr zu Wilson in die Klinik.
Robert war nun schon fünf Monate alt. Er zahnte und konnte auch schon „Mummy“ und „Daddy“ sagen.
Als Jasmin bei Wilson ankam, klopfte sie an die Tür und ging dann rein. Wilson stand auf und sie küssten sich. Dann nahm er Robert aus seinem Kinderwagen, gab ihm einen Kuss, setzte sich wieder und setzte Robert auf seinen Schoß. „Daddy.“, sagte Robert und Wilson antwortete: „Ja, mein Schatz. Das is Daddys Büro.“ Wilson blickte Jasmin an und merkte, dass etwas nicht stimmte. „Was is los?“, fragte er. Jasmin zuckte mit den Schultern und antwortete: „Irgendwie is das Verhältnis zwischen mir und Lisa noch so komisch. Irgendwie manchma so angespannt und distanziert.“ „Schatz, du musst euch Zeit lassen. Das is doch vollkommen normal, wenn man sich streitet. Noch dazu darfst du nich vergessen, dass du sie angelogen hast. Sie muss doch auch erstma wieder Vertrauen zu dir aufbauen.“, entgegnete Wilson, woraufhin Jasmin nur nickte.
Es klopfte und eine Schwester stand in Wilsons Büro. „Oh, tut mir leid. Ich wollte nicht stören.“, sagte sie. „Nein, nein. Is schon okay. Was gibt´s?“, fragte Wilson. „Doktor Wilson, sie werden gebraucht.“, antwortete die Schwester. Wilson nickte, stand auf, gab Robert einen Kuss und setzte ihn wieder in seinen Kinderwagen. Jasmin stand ebenfalls auf und bevor sich ihre Wege trennten, sagte Wilson noch: „Gib euch Zeit, Schatz. Ihr schafft das schon.“ Dann küssten sie sich kurz und gingen.



