No way back [FF]

Moderator: Housekatze

No way back [FF]

Beitrag#1  von Remy Hadley » Sa 7. Mai 2011, 22:56

Titel: No way back
Autor: Remy Hadley
Fandom: House M.D.
Genre: Drama
Charaktere: Remy Hadley, Robert Chase, Gregory House
Spoiler: Nein
Pairing: 13/House (not Romance!), 13/Chase (wird ne Überraschung)
Disclaimer: Die Figuren von House und Co. gehören nicht mir, sondern NBC Universal, FOX und derer Tochterunternehmen.

Feedback ist sehr erwünscht und könnt ihr hier hinterlassen!

In dieser Story geht es um die zwischenmenschlichen Beziehungen, Liebe, Angst, Vertrauen, Unterstützung. Und es wird gezeigt, dass man auf seine Freunde zählen kann, wenn man sie wirklich braucht.

Kapitel 1


„Dr. Taub, kommen Sie hier rüber, wir brauchen Sie hier!“ – „Moment, ich kann hier im Moment nicht weg… Meine Güte, was ist denn hier los?“ Ein wildes Stimmengewirr war in der Notaufnahme zu hören, in der Hochbetrieb herrschte. Nach einem Auffahrunfall wussten die Ärzte nicht, wo ihnen der Kopf stand, nichts war wie gewöhnlich und jeder einsatzfähige Mediziner wurde in die Notaufnahme abgeordnet, um wieder etwas Ordnung in das Chaos zu bringen. „Dreizehn, was dauert denn da so lange? Das ist doch nur eine Platzwunde!“ Foremans gereizte Stimme schallte durch die Eingangshalle, denn auf Behandlungsräume wurde schon seit einigen Stunden verzichtet, um schneller voranzukommen. „Ich bin hier gleich fertig.“ Die junge Frau klang gleichermaßen erschöpft und aufgewühlt. „Wo bleibt denn die Verstärkung?“ Wie auf ein Stichwort hin öffnete sich die breite Flügeltür und ein griesgrämig dreinblickender Arzt mit Gehstock betrat den Raum. „Kommen Sie her, jetzt gleich, oder wollen Sie einen Krüppel noch länger hier herumstehen lassen?“ Nur zögernd traten zuerst Chase und Foreman, anschließend Taub und Dreizehn auf ihren Boss zu. „Na also, es geht doch. Los, wir zischen ab“ und drehte sich mit diesen Worten auch schon um, um die Notaufnahme wieder zu verlassen. „Wir können hier jetzt nicht weg.“ House hielt inne, blickte Taub mit einem interessierten Gesichtsausdruck an, und antwortete „Schlechtes Argument. Wir gehen.“ – „Mit welcher Begründung? Cuddy hat uns hierher abgeordnet.“ Noch einmal drehte House sich zum einzigen weiblichen Teammitglied um, doch bevor er antwortete, blieb sein Blick an ihr hängen, mit dem er sie von oben bis unten skeptisch musterte. „Haben Sie Ihren Beruf gewechselt, oder warum sind Sie so voller Blut, als hätten Sie gerade ein Schwein geschlachtet? Mitkommen.“ Noch immer zögernd folgten die Vier House nach oben ins Beratungszimmer.

Vollkommen erledigt ließen sich alle in die Stühle fallen und zogen sich die blutverschmierten Kittel aus. House sah sie belustigt an. „Sie sollten mir danken, dass ich Sie da herausgeholt habe, anstatt mich mit dämlichen Fragen zu löchern, in denen ich Ihnen erläutern soll, ob es ethnisch vertretbar ist, Sie von Ihrer Arbeit abzuhalten, die Ihnen auch noch die Chefin des Krankenhauses zugeteilt hat.“ – „Ja, danke“, antwortete Foreman daraufhin ironisch, „Es ist ja nicht so, dass es unser Job ist und da unten jeder Arzt gebraucht wird. Also weswegen rufen Sie uns hier herauf?“ fragte er nun gereizt. House legte die Stirn in Falten, als ob er angespannt nachdenken würde, doch dann antwortete er nur knapp „Die Lady sah aus, als könnte sie eine Dusche vertragen und ihr Jungs seid bestimmt ganz scharf drauf, dabei zuzusehen.“ Mit diesen Worten verschwand er hinkend in seinem Büro, natürlich nicht ohne die verdrehten Augen von Remy zu bemerken, die nervös an ihren losen Haarsträhnen herum nestelte, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatten.

„Er macht mich wahnsinnig.“ Chase fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. „Es ist House. Er wird sich nie ändern.“ Remy schien nicht überrascht darüber, dass es hier keine größere Katastrophe als in der Notaufnahme gab. „Dich scheint das ja alles überhaupt nicht zu stören!“ Dass Foreman nun noch aufbrausender war, als schon zuvor, wunderte alle drei. Remy blickte ihn schief und aus müden Augen an. „Was sollte mich denn großartig stören? Es ist House, wie ich schon sagte. Was hast du denn jetzt für ein Problem?“ Seit die beiden sich vor zwei Jahren getrennt hatten, gab es nur noch spannungsgeladene Gespräche zwischen ihnen. „Was ich für ein Problem habe? Du stehst unten selenruhig in der NA und nähst eine winzige Platzwunde, wo das Verarzten bei dir eine viertel Stunde in Anspruch nimmt. Keine Ahnung, wieso du so lange gebraucht hast, und jetzt stören dich nicht einmal House’ unqualifizierte Bemerkungen.“ – „Wenigstens benehme ich mich nicht gegenüber meinem Chef wie ein Großkotz!“ Mit diesen Worten rauschte sie aus dem Zimmer und verschwand um die Ecke. „Herzlichen Glückwunsch!“ Chase konnte seinen Kommentar einfach nicht zurückhalten. „Halt du die Klappe, ja?“

Ziellos lief Remy den Gang entlang und schaute stur geradeaus. Sie wollte einfach nur raus aus dem Zimmer; keine Sekunde länger hätte sie es mit Foreman ausgehalten. Stöhnend versuchte sie sein dümmliches Gesicht aus ihren Gedanken zu bekommen, bevor sie vor Wut noch etwas zerschlug. Sie wunderte sich über sich selbst. Normalerweise konnte sie in solchen Situationen ganz ruhig bleiben, warum also plötzlich dieses Aggressivität? Während sie so nachdachte, verlangsamte sie ihre Schritte etwas und beschloss schon bald, sich etwas frisch zu machen. Daher bog sie nach rechts in die Toilettentür ab, wo sie sich eine volle Ladung kalten Wassers ins Gesicht platschen ließ. Sofort fühlte sie sich besser, auch wenn es ihre Sinne nur für einen kurzen Augenblick betäuben würde.

„Wo ist denn Ihre Ex-Flamme hin verschwunden?“ House betrat den Beratungsraum wieder und blickte drein, als ob er den Streit nicht durch die allzu dünne Glaswand hätte hören können. „Wenn Sie nicht riskieren wollen, dass er Sie anfällt, würde ich nicht weiter nachfragen.“ Taub zog die Augenbrauen zusammen und blickte von einem zum anderen. „Ich wollte schon immer mal von Foreman besprungen werden“, gab House nur in vollem Ernst zurück und lehnte sich gegen die Tischkante neben Foremans Sitzplatz. Dieser wendete sich theatralisch ab. Zunächst sagte keiner ein Wort, dann drehte Foreman sich schließlich um. „House, was genau wollen Sie?“ – „Keine Ahnung. Ich hatte nur einen geilen Hintern aus der Tür verschwinden sehen und kam aus irgendeinem unbegreiflichen Grund darauf, dass Sie der Auslöser für diesen Eindruck waren.“ Mit einem selbstgefälligen Schnaufen stand Foreman kopfschüttelnd auf, griff sich seinen Kittel und verschwand wieder nach unten in die Notaufnahme, wo es inzwischen immer chaotischer zuging. „Also nur noch wir drei. Spielen Sie Skat?“

Remy trat gerade aus der Toilettentür, als Foreman an ihr vorbeigestürmt kam, ohne sie auch nur anzusehen. Etwas unentschlossen stand sie nun an die Wand gelehnt im Gang und überlegte, ob sie zurück gehen sollte, oder einfach in ihr Appartement fuhr, als ihr einfiel, dass der Autoschlüssel in ihrer Manteltasche steckte, die im Beratungszimmer hing. Also blieb ihr nichts anderes übrig, als sich wieder den Demütigungen und schmutzigen Phantasien von House zu unterziehen.

„Glauben Sie, sie kommen zurück?“ Chase ließ den Blick nicht von der Glastür, die direkt auf den Gang führte. „Der Rappe wird wohl zu Cuddy zurückgaloppieren und petzen, aber Dreizehn geht bei diesen Temperaturen nicht ohne ihren Mantel nach draußen, schließlich wäre es ziemlich hirnlos sich noch eine Infektion einzufangen, wo man sich doch schon den Körper voll Antidepressiva und anderen Kram pumpt, um nicht aus den Schuhen zu kippen.“ Taub und Chase fuhren gleichzeitig mit dem Kopf herum. „Sie schluckt Antidepressiva?!“ Chase blieb beinahe der Mund offen stehen. „Neeeiiiin! Der Grund für ihre ignorante Mir-ist-alles-egal-Stimmung ist einfach gute Laune. Hat man ja bekanntlich, wenn man Mitte zwanzig ist und nur noch ein paar Jährchen zu leben hat.“

Die darauffolgende Stille wurde erst durchbrochen, als Remy den Raum betrat, zur Kaffeemaschine ging und sich eine Tasse eingoss. „Ist was passiert? Oder warum schaut ihr mich an, als ob ich von einem anderen Stern käme?“ Sie versuchte ein missglücktes Lächeln und setzte sich wieder an ihren Platz. „Nein, wir hatten uns nur gerade gefragt, ob Foreman und Sie es jetzt im Fahrstuhl treiben würden, nichts weiter.“
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"You spend your whole life looking for answers, because you think the next answer would change something, maybe make you a little less miserable. And you know that when you run out questions, you don't just run out of answers. You run out of hope. You glad you know that?"(13)

“There is a sacredness in tears. They are not the mark of weakness, but of power. They speak more eloquently than ten thousand tongues. They are messengers of overwhelming grief...and unspeakable love.”(Irving)
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Re: No way back [FF]

Beitrag#2  von Remy Hadley » So 15. Mai 2011, 19:19

Kapitel 2

Remy grinste House schief an. „Tut mir leid, da muss ich Sie enttäuschen und bevor Sie fragen: Nein, ich hab ihn auch nicht in die Besenkammer gesperrt.“ Dann wandte sie sich ab und nippte an ihrem entkoffeinierten Kaffee. „Da haben Sie aber Glück, dass mir der Aufwand, den Kaffee heute auszutauschen, zu groß war“, räumte House beiläufig ein und stand auf, um sich seinerseits eine Tasse Kaffee einzugießen. Chase starrte Remy noch immer unverwandt an, während Taub in einer Akte herumblätterte. Remy spürte den Blick von Chase auf sich ruhen, doch sie versuchte ihn zu ignorieren und vermied es, ihn direkt anzusehen. „Gut“ meinte House und drehte sich von der Kaffeemaschine weg, um die Versammelten anzusprechen. „Da sich der Schwarze dafür entschieden hat, weiter Leute zusammenzuflicken, sind wir also nur noch zu dritt.“ – „Zu viert.“ House starrte Taub verwundert an. „Mich natürlich ausgenommen. – Nun, ich würde vorschlagen, zwei von Ihnen suchen nach einem neuen Fall, der morgen früh auf meinem Schreibtisch zu liegen hat und derjenige, der übrig bleibt kann für heute abzischen – außer natürlich derjenige hegt den Wunsch, Foreman zu helfen.“ Er blickte in die Runde. „Irgendwelche Freiwilligen?“ Die drei Ärzte stöhnten. „Sehr schön, ich treff Sie dann morgen.“ Und er verschwand aus der Tür, bevor irgendwer etwas erwidern konnte.

„Ich fände es nur fair, wenn wir losen würden, oder was meint ihr?“, fragte Chase die anderen. „Ich übernehm die Schicht, kein Problem.“ Die beiden Männer starrten ihre Kollegin an, die weiter ungerührt ihren Kaffee trank. Als sie die verwirrten Gesichter der beiden sah, meinte sie nur „Ich hab heute sowieso nichts vor“ und widmete sich wieder ihrem Kaffee. „Ähm, ich auch nicht“, warf Chase da plötzlich ein. „Du willst doch bestimmt zu Rachel, ich kann mit Dreizehn hier bleiben.“ Erschrocken blickte Remy auf und sah Chase das erste Mal an diesem Tag direkt an, doch bevor irgendwer das Gesagte zurücknehmen konnte, stand Taub bereits auf. „Find ich mächtig nett von euch. Wir seh‘n uns dann morgen. Macht euch nen schönen Abend.“ Damit blinzelte er Chase verschwörerisch zu und verschwand.

Remy stand auf und brachte ihre Tasse zurück zur Spüle, nur um irgendetwas zu tun. „Ok, also nur noch wir beide“, meinte Chase gedehnt, da ihm auf die Schnelle nichts anderes einfiel. „Ja“ war Remys knappe Antwort, ehe sie sich wieder an ihren Platz setzte und die Akte zur Hand nahm, in der Taub kurz zuvor gelesen hatte. „Ich hol noch den Rest.“ Damit stand er auf und besorgte einen riesigen Stapel Akten, aus denen sie eine heraussuchen wollten, die für House interessant sein könnte. Vor Remy legte er sie auf den Tisch und setzte sich stöhnend ihr gegenüber hin. „60-jähriger mit Schlaganfall und Herzinfarkt wenige Tage darauf.“ – „Nicht mal annähernd spannend! – 25-jährige mit chronischem Nasenbluten.“ – „Was ist sie von Beruf?“ – „Rechtsanwältin.“ – „Dann wird das durch den Stress erklärt.“ Remy nahm sich die nächste Akte beiseite und schlug sie auf. „Alles in Ordnung?“ Sie blickte auf und sah Chase in die Augen, der schon den ganzen Tag die Augen nicht von ihr lassen konnte. „Klar, wieso?“ Sie antwortete etwas zu schnell, als dass es hätte glaubwürdig klingen können. „House erwähnte vorhin beiläufig was.“ Remy sah ihn noch immer an und versuchte den Kloß in ihrem Hals hinunterzuwürgen, ohne Chase darauf aufmerksam zu machen. „Also… er meinte, du würdest viele Medis schlucken.“ Diesmal war sie darauf vorbereitet gewesen. „Ja, und? Das ist im Moment nicht mal annähernd relevant“, sagte sie kalt und beugte sich wieder nach vorn, womit sie vorgab, wieder die Akte zu studieren. „Du bist in letzter Zeit verändert. Wenn du Hilfe brauchst, sag Bescheid, ja?“ Chase dachte gar nicht daran, Remy in Ruhe zu lassen, was dieses Thema betraf. Und Remy wusste, dass Chase auch nur eingewilligt hatte, heute Abend hier zu bleiben, weil er so ungestört mit ihr reden konnte. Dass er an ihr interessiert war, hatte er ihr schon mehrfach und auf verschiedenste Weisen zu verstehen gegeben. Doch auf solche plumpen Anmach-Versuche stand sie nicht. „Klar. Ich sag Bescheid, wenn ich mir die Tabletten nicht mehr selbst reinschieben kann. Dann wird’s Zeit für eine Notschlachtung.“ Sie schloss die Akte und warf sie Chase auf den Platz. „Zieh‘ dir das mal rein.“ Nur zögernd öffnete Chase die Mappe, jedoch nicht, ohne den Blick von Remy abzuwenden, die sich mittlerweile einen Punkt an der Wand gesucht hatte, den sie anstarren konnte, um Chase nicht sehen zu müssen. Er hatte ihren Kommentar von gerade eben nicht so schnell weggesteckt, wie Remy ihn in den Raum geworfen hatte. „Du musst wegen uns nicht so tun, als hättest du alles im Griff. Du kannst sagen, wenn dich was bedrückt.“ Diese Worte brachten Remy nun schon zum zweiten Mal an diesem Tag auf die Palme. Sie stand ruckartig auf, wobei sie das Karussell vor ihren Augen beinahe von den Beinen riss und schrie Chase an. „Super! Und was nützt es mir, wenn du über alle meine Probleme informiert bist? Was hab ich davon? Außer, dass ich dann jeden Tag wehleidige Blicke zugeworfen bekomme, steh‘ ich genau an der gleichen Stelle wie sonst! – Leg die Akte auf den Tisch und geh Heim, wenn es House nicht passt, soll er sich selbst einen Fall suchen.“ Mit diesen Worten griff sie sich ihren Mantel und zog ihn sich über, während sie schon hinausstürmte.

Chase blickte ihr kurz wie eingefroren nach, dann jedoch stand er auf und rannte ihr nach. Remy wartete gerade am Fahrstuhl und hoffte innständig, dass sich die Türen öffnen würden, bevor Chase sie erreichte, als sie auch schon seine Schritte auf dem Boden nahen hörte. Als er schnaufend hinter ihr zum stehen kam, drehte sie sich ruckartig zu ihm herum und wollte schon zu einer heftigen Erwiderung ansetzen, als ihr wieder schlecht wurde und sie buchstäblich in seine Arme taumelte. „Hey, was…“ Er fing Remy auf und setzte sie vorsichtig auf dem Boden ab, hockte sich neben sie und hielt sie bei den Schultern, damit sie nicht zur Seite wegkippte. „Geht’s wieder?“ Besorgt musterte er Remys blasses Gesicht. „Ja, alles ok“, meinte sie nur knapp und machte Anstalten, aufzustehen. Doch Chase hielt sie weiterhin unten. „Was soll das? Ich fahr jetzt nach Hause, es ist spät.“ – „Du fährst jetzt nirgendwo hin, oder denkst du ernsthaft, ich lass dich so ins Auto steigen? Ich bring dich heim.“ Sie versuchte erneut, ihm zu widersprechen, doch als er sie vorsichtig hochzog und sie stützte, bemerkte sie, dass sie ohne Hilfe unmöglich gerade stehen konnte und hielt den Mund. Chase hatte einen Arm von hinten um ihre Taille gelegt und hielt mit der freien Hand die ihre fest, wobei er sich an Remys Tempo anpasste und sie zu seinem Auto geleitete. „Danke“, meinte sie nur knapp, als Chase sie auf den Beifahrersitz bugsiert hatte und selbst auf der Fahrerseite eingestiegen war. „Kein Problem“, antwortete er genauso einsilbig und startete den Motor. Schweigend fuhren sie einige Seitenstraßen entlang, ehe Chase wieder sprach. „Hast du das öfter?“ – „Was?“ – „Na was schon. Dass dir plötzlich schwindelig wird.“ Remy hielt noch immer die Augen geschlossen und hatte den Kopf angelehnt, da es ihr noch nicht wieder gut ging. „Wenn’s dich beruhigt, nein.“ – „Ja, beruhigt mich.“ Vor ihrem Haus hielt er an und parkte am Straßenrand. Noch bevor Remy sich ab gegurtet hatte, stand Chase an ihrer Tür und hielt ihr eine Hand entgegen. „Danke, ich bin 27 und nicht 87.“ Mehr konnte sie dazu nicht sagen, denn als sie beide Beine auf den Asphalt gesetzt hatte, war sie froh, sich an jemandem festhalten zu können. „Schon klar“, sagte Chase schmunzelnd und brachte sie auf die gleiche Weise zu ihrer Wohnungstür, wie er sich auch schon aus dem Krankenhaus herausgeführt hatte. „Schlüssel?“ – „Hier.“ Sie begann in ihrer Handtasche zu kramen und versuchte das Schlüsselloch mit ihrer zitternden Hand zu treffen und das Defizit gleichzeitig vor Chase zu verbergen, was ihr natürlich unmöglich war. Wortlos schloss er seine Finger um ihre Hand und führte so den Schlüssel ins Schlüsselloch. „Danke“, flüsterte Remy mit erstickter Stimme. „Kann ich… kann ich mit reinkommen?“ Es klang so, als ob es ihm wirklich peinlich wäre, Remy dies zu fragen. „Sicher… Klar… Das Wohnzimmer ist links, mach’s dir gemütlich, ich komm gleich.“ Sich an der Wand entlang tastend, bog Remy nach rechts ab. Chase sah, dass es die Küche war, als sie die Tür öffnete und verschwand in der von Remy ausgewiesenen linken Tür, wo er sich aufs Sofa setzte und auf ihre Rückkehr wartete.

In der Küche angekommen, griff sie nach den an der Wand entlang aufgereihten Tablettendosen und räumte sie in den Küchenschrank, im Falle Chase würde ihre Wohnung inspizieren wollen. Die Diskussion, die ihr dann bevorstünde, wäre nicht auszuhalten. Als sie alles beseitigt hatte, machte sie sich auf den Weg ins Wohnzimmer.
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Re: No way back [FF]

Beitrag#3  von Remy Hadley » Fr 17. Jun 2011, 18:40

Kapitel 3

„Schön hast du’s hier.“ Chase tat so, als ob er sich weiterhin im Raum umsehen würde, während Remy sich stöhnend neben ihm aufs Sofa fallen ließ, obwohl er sie in Wirklichkeit aus dem Augenwinkel beobachtete. „Naja, danke. Geht so… Und danke, dass du mich heim gebracht hast.“ – „Kein Problem. Ich konnte dich ja wohl schlecht auf dem Boden liegen lassen, oder?“ Er grinste sie an, als er jedoch bemerkte, dass ihr Gesichtsausdruck unverändert ernst war, hörte er damit auf. „Versprichst du mir, dass du nicht gleich wieder ausrastest, wenn ich dir jetzt was sage?“ Remy zuckte mit den Schultern und nickte ihm zu. „Wegen vorhin…“ Sie verdrehte stöhnend die Augen. „Ich weiß, dass du nicht drüber reden willst, aber…“ – „Ja, ganz genau. Das hast du ja sehr schnell erkannt.“ Chase fuhr jedoch ungerührt fort. „Aber du leidest und das kann ich nicht mehr mit ansehen… Taub denkt übrigens das Gleiche“, fügte er schnell hinzu. „Jaja, ihr wollt mir nur helfen, ich weiß. Und ich finde es…“ – „Warte doch mal, bis ich ausgeredet hab. – Wenn du mit jemandem drüber reden würdest, könntest du sicher leichter damit umgehen. Einfach drüber reden, ohne irgendwelche Erwartungen. Einfach, dass du es nicht nur deinem Spiegelbild erzählt hast.“ Er sah sie an, wartete auf eine Antwort. Sie wusste, dass sie etwas sagen musste, dass er nicht eher gehen würde, als bis er seine Antwort bekommen hatte. Dennoch versuchte sie es zu umgehen. „Ich würde jetzt gerne schlafen gehen, mir ist immer noch schlecht. Ich will dich wirklich nicht rauswerfen, aber… Naja, eigentlich doch, will ich.“ Sie blickte ihm jetzt fest in die Augen und jede Widerrede war zwecklos. Chase stand vom Sofa auf und Remy folgte ihm, noch immer wacklig auf den Beinen, in den Flur zur Wohnungstüre. „Bis morgen. Ich hol dich ab.“ – „Nein. Ich nehm die Straßenbahn. Gute Nacht.“ Chase erwiderte den Gruß und rannte schon die Treppe hinunter, als Remy sich ein Herz fasste und ihm noch hinterherrief: „Meine Therapeutin ist gut im Zuhören, also mach dir keine Sorgen.“ Dann schloss sie die Wohnungstür und ging sofort ins Bett.

An Schlafen war für Remy nicht zu denken. Sobald sie die Augen schloss, bekam sie Kopfschmerzen, öffnete sie sie, drehte sich das gesamte Schlafzimmer. Irgendwann musste sie dennoch eingeschlafen sein, denn das schrille Klingeln ihres Weckers ließ sie hochschrecken. Sobald sie sich aufgesetzt hatte, drehte sich wieder alles vor ihren Augen und ihr wurde so übel, dass sie es nur noch mit Mühe zur Toilette schaffte, wo sie sich übergab. „Verdammt. Unmöglich“, entwischte es ihr leise. Zerstreut machte sie sich für die Arbeit fertig. Bevor sie die Wohnung verließ, trank sie noch eine Tasse Schwarzen Tee, um sich zu beruhigen und ging schließlich mit ihrer Handtasche und dem Autoschlüssel in der Hand hinunter auf die Straße. Dort musste sie feststellen, dass ihr Auto noch beim Krankenhaus stand und die Straßenbahn vor zehn Minuten abgefahren war. Fluchend stieg sie die Treppen zu ihrem Appartement wieder hinauf.

„Würde es Ihnen etwas ausmachen, damit aufzuhören, die Tür anzuglotzen?“ House holte Chase aus seinen Gedanken. „Und wenn wir einmal bei diesem Thema sind: Wo ist Dreizehn?“ – „Wieso sollte ich das wissen?“ Mit abwesendem Blick starrte House aus dem Fenster, drehte sich dann jedoch langsam zu Chase um. „Weil Sie gestern Abend mit ihr zusammen hier waren und Sie unentwegt auf den Gang schauen, da sie immer noch nicht hier ist, was bedeutet, dass Sie sich Sorgen machen und Sie scheinbar auch einen Grund haben, sich Sorgen machen zu müssen.“ Chase schaute verdattert zu Taub, dieser schüttelte nur den Kopf, daher wandte er sich wieder an House. „Woher wissen Sie…?“ – „Auf dem Tisch lag auf Dreizehns Platz ein Stapel von 15 Akten, während auf dem Ihren nur drei lagen, was bedeutet, dass Sie entweder gerade lesen gelernt haben, oder mehr mit der Person Ihnen gegenüber beschäftigt waren, als mit Ihrer Arbeit. Ich tippe auf Letzteres, denn Taub wird Sie sexuell kam so ablenken, dass Sie Ihre Arbeit gleich vergessen… Möglicherweise irre ich mich auch!“, fügte er schnell hinzu, was den beiden Ärzten ein Stöhnen entlockte. „Den Grund dafür, dass sie unser Zimmer wie einen Saustall hinterlassen haben, kenne ich noch nicht, aber ich tippe einfach mal, dass Sie Dreizehn an die Wäsche wollten, sie daraufhin gegangen ist und Sie sie anschließend in eine Putzkammer gezerrt haben. Die restlichen Details können wir uns ja dann alle denken… Hoffe ich doch. Und wenn wir mal ehrlich sind: Danach hätte ich auch keine Lust mehr auf Papierkram.“ Er grinste Chase mit siegessicherem Gesicht an und humpelte triumphierend in sein Büro.

Erste eine halbe Stunde später kam die nächste Straßenbahn, also machte Remy sich erneut auf den Weg. Das Gedränge an der Haltestelle verursachte ein unbehagliches Gefühl in ihr, was sich nicht änderte, sondern nur noch verstärkte, als sie einen Stehplatz zwischen einem drängelnden Schüler, der ihr andauernd seinen Rucksack in die Rippen schlug und einem nach kaltem Zigarettenrauch stinkenden Mann bekam. In Gedanken betete sie, dass als nächste Haltestelle endlich das Princeton Plainsboro angezeigt würde. Doch erst nach sieben Stopps und vielen neuen Fahrgästen konnte sie sich endlich durch die Tür an die frische Luft schieben, wo sie den ungeheuren Drang verspürte, sich erneut übergeben zu müssen. Nachdem sie ein paar Mal tief durchgeatmet hatte, ging sie auf den Haupteingang zu und durchquerte die Launch bis hin zu den Fahrstühlen, wo sie auf Foreman traf. „Hey… Sorry wegen gestern.“ Sie versuchte ihn zu ignorieren und tippte ungeduldig mit der Fußspitze auf den Boden, während sie auf den Lift wartete. „Das war… wirklich mies von mir. Es war so ein Stress und dann noch House und…“ Remy drehte sich zu ihm um und funkelte ihn wütend an. „Klar, das ist natürlich die Entschuldigung für alles. House. Und es war stressig. Aber dass du mal an deiner gesamten Einstellung arbeiten müsstest, das kommt dir natürlich nicht in den Sinn.“ Endlich öffnete sich die Fahrstuhltür und Foreman folgte Remy hinein. Bis nach oben schwiegen sie sich an und auch noch, als sie das Beratungszimmer betraten, wo House sich gerade wieder hingesetzt hatte und die Füße auf den Tisch legen wollte. Mit gekünstelt aufgerissenen Augen schaute er sie abwechselnd an, als sie gemeinsam hereinkamen. „Jetzt sind wir aber alle überrascht.“ Chase ließ nur einen erleichterten Seufzer hören und fuhr sich mit der Hand über den Kopf. Remy ignorierte beides, den Kommentar von House sowie den Seufzer von Chase und hängte ihren Mantel an den Hacken. „Tut mir leid, dass ich jetzt erst komme, ich hab die Straßenbahn verpasst.“ – „Seit wann fahren Sie mit der Straßenbahn?“ Remy blickte Chase flüchtig an, jedoch war der Moment nur so kurz, dass es unmöglich zu bemerken war. „Mein Auto ist kaputt.“ House blickte sie skeptisch von der Seite an, während sie sich an ihren Platz setzte. Foreman hatte inzwischen in der Tür kehrt gemacht und war zurück zum Ambulanzdienst verschwunden. „Was ist das bitte?“ House hielt die Akte hoch, die Remy am Abend zuvor noch schnell auf den Tisch geworfen hatte, ehe sie so überstürzt losgerannt war. „Unser neuer Fall.“ – „Sie sind ernsthaft hiergeblieben und haben nach einem Fall gesucht? Sie waren auch schonmal komischer.“ Remy sog die Luft scharf durch die Zähne und war im Begriff zu einem Gegenargument anzusetzen, als Chase einsprang. „Sie sagten, suchen Sie nach einem Fall, also suchen wir nach einem Fall.“ – „Vergessen Sie den Fall! Ein Tag frei wird uns ja wohl noch vergönnt sein, es sei denn, die Aphrodite kreuzt hier auf und betört uns mit einem Wutanfall und damit meine ich nicht den Schwarzen.“ Taub, der sich bisher nicht am Gespräch beteiligt hatte, richtete sich nun auf. „Wollen Sie damit sagen, wir sind hier alle umsonst angetanzt? Wenn wir schon nichts zu tun haben, warum machen wir dann keinen Ambulanzdienst, wie Foreman?“ – „Weil Foreman ein Idiot ist. Wenn Cuddy bis heute Mittag nicht hier aufgetaucht ist, können Sie alle verschwinden.“
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Re: No way back [FF]

Beitrag#4  von Remy Hadley » Mo 8. Aug 2011, 19:49

Kapitel 4

Die Zeit bis zum Mittag kroch nur so dahin. Cuddy tauchte nicht ein Mal auf, nur Wilson ließ sich kurz blicken, verschwand jedoch kommentarlos und mit hochgezogenen Brauen wieder. Taub ließ sich Zeit mit seinem Frühstück, Remy sortierte Akten und Chase vertrieb sich die Zeit damit, sie anzustarren. Punkt zwölf Uhr schnappte House sich seinen Rucksack und verschwand wortlos, obwohl alle zu ihm aufblickten. „War das jetzt die Erlaubnis, dass wir gehen können?“ Chase blickte die anderen fragend an. „Ich bring das hier noch zu Ende, dann geh‘ ich auch“, tönte Remys Stimme vom Schreibtisch herüber. „Ihr hättet mir wahrlich helfen können, wenn ihr schon sinnlos hier rumsitzt.“ Die beiden Männer tauschten schuldbewusste Blicke. Dann griff Taub nach seiner Jacke und Tasche und deutete ein Winken an, als er verschwand. Chase hingegen ließ sich Zeit damit, seine Tasche einzupacken und seine Jacke zu holen. Nur ungern wollte er Remy nach den Geschehnissen des gestrigen Tages allein lassen, aus Angst, sie könnte ihn angelogen haben und es ging ihr doch nicht so gut, wie sie vorgab. „Worauf wartest du?“ Ohne vom Papierkram aufzublicken, sprach sie ihn an. Chase seufzte. Er war es leid, sich immerzu verstellen zu müssen, wenn er mit Remy zusammen war, obwohl ihm dies sowieso meistens misslang. „Auf dich“, meinte er daher nur. Als Remy nicht reagierte, fügte er noch schmunzelnd „Im Falle du planst wieder, auf dem Boden zu übernachten.“ hinzu. „Ich kann selbst auf mich aufpassen, dazu brauch‘ ich dich wirklich nicht.“ Da sie wusste, dass Chase auf ihr Kontra hin nie antwortete, hoffte sie, dass er es auch diesmal dabei belassen würde. Und tatsächlich murmelte er nur ein kaum verständliches „Das hab ich gesehn.“ Als Remy sich jedoch verabschiedet hatte, folgte er ihr heimlich über den Parkplatz. Er wollte sicher gehen, dass sie gesund und munter zu Hause ankam und nicht an den nächstbesten Baum fuhr.

Nachdem beide eine Weile gefahren waren, Chase immer darauf bedacht, den größtmöglichen Abstand einzuhalten, stutzte er und hielt verwundert an, als Remy plötzlich am Straßenrand parkte, ausstieg und in der Apotheke in der Nebenstraße verschwand. Plötzlich kam er sich lächerlich vor. Wenn es Remy nicht gut ginge, dann wäre sie schon so vernünftig und würde sich nicht hinters Steuer setzen. Dass sie es am Vortag auch hatte tun wollen, versuchte er dabei zu verdrängen. Kopfschüttelnd startete er den Motor, während er noch überlegte, warum Remy sich ihre Medikamente nicht im Krankenhaus abgeholt hatte und fuhr nach Hause, was Remy ihm fünf Minuten später gleichtat.

Als sie die vielen Treppenstufen bewältigt hatte, ließ sie ihren Mantel und ihre Tasche an der Wohnungstüre fallen und rannte sofort ins Badzimmer. Mit zitternden Händen zog sie den Schwangerschaftstest aus der Apothekentüte und bete zum Himmel, dass sich ihre Befürchtungen nicht bestätigten. Als sich der Streifen jedoch verfärbte, wusste sie nicht, ob sie schreien oder weinen sollte. „Nein.“ Sie murmelte nur verzweifelt Wortefetzen vor sich hin. „Das kann nicht sein.“ Mit wackligen Knien ging sie in ihr Wohnzimmer und ließ sich auf die Couch fallen, wo die Tränen sie schließlich überwältigten. Was sollte sie denn mit einem Kind machen, dass keinen Vater und eine todkranke Mutter hatte? Mit diesen Gedanken rang sie, bis sie schließlich vor Erschöpfung einschlief.

Mitten in der Nacht wachte sie auf. Unwillkürlich fuhr ihre Hand zu ihrem Bauch und sie schloss erneut matt die Augen. Sie hatte gehofft, dass es nur ein schrecklicher Traum gewesen war, doch die Realität holte sie schnell wieder ein, obwohl sie es noch immer nicht wirklich wahrhaben wollte. Verschlafen schwang sie die Beine von der Couch. Ihr war kalt und der Rücken tat ihr weh. Sie hatte noch nie auf dem Sofa geschlafen, was wohl daran lag, dass es so unbequem war und sie war so plötzlich eingeschlafen, dass sie es gar nicht für nötig gehalten hatte, nach einer Decke zu suchen. Fröstelnd ging sie in ihre kleine Küche und machte sich eine Tasse Wasser heiß. Schon nach wenigen Minuten hielt sie den dampfenden Tee in den Händen und starrte aus dem Fenster. Auf der Straße herrschte ein reges Treiben, trotz dass es bereits weit nach Mitternacht war. Das war der Nachteil der Großstadt; nie hatte man seine Ruhe. In Gedanken trank sie einen Schluck nach dem anderen und genoss das Gefühl, wie ihr der angenehm heiße Tee durch den Körper rann und das wohlige Gefühl sich in ihrem Magen ausbreitete. Noch eine halbe Stunde hing sie auf diese Weise ihren Gedanken nach, dann ging sie in ihr Bett unter dem Vorwand, noch ein wenig schlafen zu wollen, ehe sie wieder zur Arbeit musste, obwohl sie insgeheim überlegte, ob sie sich für den kommenden Tag nicht krank melden sollte.

Am nächsten Morgen war Remy trotz des fehlenden Schlafs mitten in der Nacht sehr früh wach. Und obwohl sie mit dem Gedanken gespielt hatte, den Tag zu Hause zu verbringen, zwang sie sich aus dem Bett und ging, nachdem sie sich frisch gemacht und ein halbes Brötchen gefrühstückt hatte, ins Krankenhaus. Unterwegs musste sie allerdings halt machen, da ihr Frühstück einen anderen Ausgang wählte.

Mit einem leisen ‚Pling‘ schlossen sich die Fahrstuhltüren hinter Chase, der gerade noch zu Remy durch die sich bereits schließenden Türen geschlüpft war. „Morgen.“ – „Hey.“ Bis sie oben angekommen waren, schwiegen sie sich an. „Ist… alles ok bei dir? Du siehst blass aus.“ Mit einem Ausdruck von Besorgnis auf dem Gesicht hielt Chase Remy am Ärmel zurück, als sie aus dem Lift gestiegen und ein Stück den Gang entlanggegangen waren. Langsam drehte sie sich zu ihm um, vermied es jedoch, ihm direkt in die Augen zu blicken. „Ja, alles bestens. Ich hatte nur wenig Schlaf letzte Nacht.“ Wieder wandte sie sich ab und setzte ihren Weg fort. Es war gerade erst kurz nach acht und House würde sowieso erst in zwei Stunden auftauchen, daher ließen sich die Ärzte mit allem besonders viel Zeit, denn einen neuen Fall gab es noch immer nicht. Taub war ebenfalls bereits eingetroffen, lag jedoch mit dem Kopf auf der Tischplatte, als die beiden den Raum betraten. „Kater oder Langeweile?“, schrie Chase, woraufhin Remy ein zaghaftes Grinsen sehen ließ, als Taub erschrocken zusammenfuhr. „Übermüdung. Guten Morgen.“

Wider Erwarten stand House bereits eine halbe Stunde später im Zimmer. Ohne von seinen Assistenzärzten bemerkt worden zu sein, hatte er eine ganze Weile vor der Tür gestanden und sie beim Nichts-tun beobachtet. „Einen wunderschönen guten Morgen, ihr Sonnenscheine!“ humpelnd lief er um den Tisch herum auf die Kaffeemaschine zu, nur um feststellen zu müssen, dass sie leer war. „Wieso haben Sie keinen Kaffee gekocht? Ist Ihnen die viele Freizeit zu Kopf gestiegen? Wenn Ihr Boss kommt, dann haben Sie dafür zu sorgen, dass er auch mit ausreichend Getränken versorgt ist!“ Taub wollte eben zu der Frage, ob es denn heute Arbeit gäbe, ansetzen, da war House schon wieder hinausgegangen. „Denkt ihr, wir sollten ihn suchen gehen?“, wandte er sich daher an die drei anderen, denn Foreman war auch wieder unter ihnen, obwohl er sich noch immer einsilbig gab, um deutlich zu verstehen zu geben, dass er zutiefst beleidigt war. „Chase lehnte sich genüsslich in seinem Stuhl zurück. „Nein, sollten wir nicht. Der Mann ist einfach auf der Suche nach einem Becher Kaffee, egal woher er ihn bekommen kann und ich wüsste nicht, wieso ich… Remy?!“ Die junge Frau war aufgesprungen und aus dem Zimmer gerannt. Chase wollte sich bereits ebenfalls erheben, um ihr nachzugehen, als ihm klar wurde, dass er damit ziemliche Aufmerksamkeit auf sich projizieren würde, vor allem, wenn er unterwegs House begegnen würde. „Was war das denn?“ Foreman hatte sich ebenfalls nach vorn gelehnt und ihr nachgestarrt. „Wenn ich das wüsste, ginge es mir auch besser.“ Seufzend fuhr sich Chase mit einer Hand durchs Haar.
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Re: No way back [FF]

Beitrag#5  von Remy Hadley » Mi 10. Aug 2011, 16:26

Kapitel 5

Hätte sie auch nur einen Moment länger gewartet, hätte sie es nicht mehr bis zur Toilette geschafft. Schon als sie bemerkt hatte, dass ihr Mund trocken wurde, war sie aufgesprungen, um eine Sauerei zu vermeiden. Genau im richtigen Augenblick. Keuchend hing Remy über dem Waschbecken und musste immer wieder von neuem würgen. Ihre Hände und ihre Stirn glänzten vor Schweißperlen, die sich angesammelt hatten. ‚Bitte, lass es nur ein böser Traum sein‘ flehte sie in Gedanken, obwohl sie wusste, dass dies überflüssig war. Erschrocken zuckte sie zusammen, als sich hinter ihr die Tür öffnete und eine ältere Schwester aus der Notaufnahme hereintrat. Als sie auf eine der Kabinen zugehen wollte, hielt sie inne und sah Remy an. „Geht es Ihnen gut, Kindchen?“ Besorgt trat sie neben Remy und fasste sie bei den Schultern. „Sie sehen blass aus. Alles in Ordnung?“ Remy wischte sich mit einer Hand über die Stirn und nickte. „Ja, danke. Alles in Ordnung. Es… es geht schon wieder.“ Sie schenkte der Frau ein freundliches Lächeln und stützte sich auf den Waschbeckenrand, um einige Male tief Luft zu holen. „Sind Sie sicher? Sie sollten sich setzen.“ – „Danke, ich bin auch Ärztin. Es geht mir gut.“ Sanft aber bestimmt schob sie die Hände der Schwester weg und verließ den Raum. Im Gegensatz zu der gut belüfteten Toilette, kam ihr der Krankenhausgang furchtbar stickig und sauerstoffarm vor. Ihr war noch immer übel, und sie wollte das Zurückgehen zu den anderen so weit wie möglich hinauszögern, da sie sicher gehen wollte, das Ganze nicht sogleich wiederholen zu müssen.

Grinsend kam House mit seinem Kaffeebecher in der Hand aus der Cafeteria zurück. Dass er ihn einfach auf die Rechnung von Wilson hatte setzen lassen, war natürlich nichts Neues, doch noch nie hatte er sich selbst bedient und war dabei erwischt worden. Als er um die Ecke bog, sah er seine Angestellte auf einer Bank sitzen, den Kopf gegen die Wand gelehnt und den Körper mit den Armen umschlungen. Langsam trat er auf sie zu und stellte seinen Kaffee neben sie auf den Boden. Dann setzte er sich neben sie und ließ seinen Stock immer und immer wieder durch die Hände rutschen und auf den Boden schlagen. Remy hatte ihren Chef erst bemerkt, als dieser sich gesetzt hatte und war erschrocken zusammengezuckt. „Schöner Tag heute, nicht wahr?“ Mit geschürzten Lippen sah er sie an und war über ihren Anblick mehr als erschrocken, was er jedoch nicht zeigte. „Ja, wunderbar.“ Ihre Kehle war so ausgedörrt und schmerzte, dass ihre Stimme kaum zu verstehen war und brüchig klang. Als sie House’ Blick auf ihrem Gesicht spürte, wendete sie hastig ihren Kopf ab. „Geht es Ihnen gut?“ Seine Stimme war nun ernster geworden, nicht so belustigt wie noch zuvor. „Ja“ – „Sicher? Sie sehen fiebrig aus.“ Während er mit der linken Hand seinen Gehstock festhielt, langte er mit der anderen nach ihrem Gesicht. Abwehrend hob sie eine Hand und schlug die seine etwas heftiger als geplant zur Seite. „House, was wollen Sie?“ – „Ihre Stirn befühlen, ich bin Arzt, wissen Sie.“ Sie verdrehte die Augen und wendete sich ihm zu. „Ich auch und ich fände es wunderbar, ein paar Minuten für mich zu haben, wenn das möglich wäre.“ Müde schloss sie die Augen und schluckte schwer, woraufhin ihr wieder zu Zungen am trockenen Gaumen kleben blieb. „Hier.“ House reichte ihr seinen Kaffeebecher. „Wollen Sie mich schon wieder umbringen?“ Er schüttelte den Kopf. „Koffeinfrei. Was anderes war nicht mehr da. Und da ich die Plärre wahrscheinlich sowieso nicht runter bekommen werde, können Sie sie auch gleich haben.“ Erneut hielt er ihr den Becher entgegen und sie beäugte ihn skeptisch. „Vertrauen Sie mir.“ Zögernd nahm Remy den Becher entgegen. „Danke.“ Sie fügte noch ein ehrliches Lächeln hinzu und nahm sogleich den ersten Schluck. Es war eine Wohltat. Hörbar atmete sie aus und schloss für einen Moment die Augen. House blickte sie weiterhin an und nutzte schließlich die Gelegenheit, in der sie ihn nicht ansah, um ihr doch noch die Stirn befühlen zu können. Obwohl sie sich ihm sofort wieder entzog, runzelte er ehrlich besorgt die Stirn. „Was machen Sie hier? Sie sollten nach Hause gehen und sich hinlegen.“ Abrupt stand sie auf. „Wie oft denn noch? Es geht mir gut!“ House stützte sich sogleich auf seinen Stock und stand auf, als er sah, dass ihr ohnehin schon blasses Gesicht nach dem plötzlichen Hochschnellen noch einiges mehr an Farbe verloren hatte, um sie im Falle eines Sturzes abfangen zu können. „Ja, das sehe ich“, murmelte er nachdenklich ohne sie aus den Augen zu lassen. „Ich gehe jetzt zurück in den Besprechungsraum, denn es ist ein ganz normaler Arbeitstag. Kommen Sie mit, oder lassen Sie es.“ Damit wandte sie sich um und ging zurück zu den anderen. House folgte ihr auf den Fuß. „Sie haben sich dazu entschlossen, uns endlich mal Aufgaben zuzuteilen? Beeindruckend!“ – „Die Tatsache, dass ich Sie begleite, bedeutet nicht gleich, dass ich plötzlich Interesse daran habe, Cuddy einen dermaßen Gefallen zu tun und arbeiten gehe.“

„Das reicht, sie ist jetzt schon über eine halbe Stunde weg!“ Chase, der immer unruhiger geworden war und in immer kürzeren Abständen auf die Uhr gesehen hatte, war nun endgültig aufgestanden und Richtung Tür gegangen. „Mann, komm mal wieder runter. Darf sie nicht gehen, ohne sich abzumelden?“ Foreman und Taub saßen immer noch gelassen am Tisch und tranken Kaffee, den sie in der Zwischenzeit gekocht hatten. „Sie ist schon viel zu lange weg. Ich hab Angst, dass sie… Denn vorgestern Abend…“ Doch er brachte es nicht übers Herz, den anderen von Remys Schwächeanfall zu erzählen, da ihm bewusst war, dass sie sicher nicht wollte, dass irgendwer davon erfährt. Daher brach er einfach ab und verließ das Zimmer, um nach ihr zu suchen.

Dann sah er, wie sie und House ihm entgegenkamen und atmete erleichtert auf, nahm seine Besorgnis jedoch sofort wieder auf, als er Remys bleiches Antlitz erblickte. „Die hab ich unterwegs gefunden!“, rief House ihm entgegen. Mit weit ausgreifenden Schritten lief Chase los und war schon bald bei den beiden, wo er Remy einen Arm um die Schultern legte, bevor ihm klar wurde, dass diese Geste eventuell etwas zu gewagt sein könnte, doch sie schüttelte ihn nicht ab, sondern legte ihren Kopf dankbar an seine Seite. Was House davon hielt, scherte Chase in diesem Augenblick wenig und so ignorierte er auch das „Oh… mein… Gott, wie herzzerreißend!“, das hinter ihm ertönte. Sobald sie weitergegangen waren, fiel ihm auf, dass Remys gesamter Körper beinahe unmerklich zitterte und drückte sie noch fester an sich, denn inzwischen hatte sie ihre Augen geschlossen und ließ sich einfach mitziehen, einen Fuß vor den anderen setzend. Da House bereits bei Remy auf der Bank aufgefallen war, wie schlecht es ihr tatsächlich ging und sie sogar vollkommen House-untypisch zum nach Hause Gehen aufgefordert hatte, hielt er Chase auch nicht dazu an, sie in den Besprechungsraum zu bringen, sondern humpelte an den beiden vorbei, warf Chase ein „Kümmern Sie sich um sie, wir haben sowieso keinen Fall.“ zu und verschwand in der Tür, während Chase stehen blieb, da er nun endlich unbelauscht das Wort an Remy richten konnte. Zumal sie wahrscheinlich nach noch einem weiteren Schritt zusammengebrochen wäre. Sie hielt die Augen noch immer geschlossen, doch sie zitterte weiterhin am ganzen Leib.

Chase zog einen Besucherstuhl heran und hievte sie behutsam darauf, ließ sie jedoch nicht los, da sie sonst womöglich zur Seite gefallen wäre. „Hey. Was hast du denn?“ In seiner Stimme schwang Verzweiflung mit. „Nichts, alles in Ordnung.“ Wie um es ihm zu beweisen, macht sie Anstalten aufzustehen, doch Chase hielt sie energisch fest. „Bist du verrückt geworden? Du bleibst schön hier sitzen.“ Mit der freien Hand legte er ihr zwei Finger an den Hals, um ihren Puls zu fühlen. „Gott, dein Herz rast.“ Und schon fiel ihm der Kaffeebecher ein, den sie in der Hand gehalten hatte und er stand wütend auf, nachdem er sich vergewissert hatte, dass sie gerade sitzen blieb und stürmte in den Besprechungsraum.
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Re: No way back [FF]

Beitrag#6  von Remy Hadley » So 28. Aug 2011, 21:03

Kapitel 6

„Sie Bastard haben ihr Kaffee gegeben!“, donnerte er los, ohne auf die verblüfften Gesichter von Taub oder Foreman zu achten. „Entkoffeiniert.“ – „Wieso sollten Sie denn rein zufällig mit entkoffeiniertem Kaffee durch die Gegend laufen?“ Er war nicht zu bremsen. „Was ist denn hier überhaupt los?“ Taubs Frage ging in dem wilden Wortgefecht von House und Chase unter. „Weil es keinen anderen mehr gab! Glauben Sie, ich will sie umbringen?“ – „Sie…“ Doch er brach ab, denn House‘ Augen blickten ehrlich drein, und was hätte er davon, Remy richtigen Kaffee einzuflößen? „Tut mir leid“, meinte er daraufhin etwas ruhiger und verließ den Besprechungsraum wieder. „Also, hier geht’s heute zu wie… Was ist denn nun los?“ Foreman blickte House nun herausfordernd an. „Nichts weiter. Dreizehn fühlt sich nicht wohl.“

„Remy, sieh mich an!“ Chase hatte sich vor ihr niedergekniet und hielt sie erneut bei den Schultern. Mühsam zwang sie sich dazu, ihre Augen zu öffnen. Sie waren glasig und kamen ihm heller vor, als sonst. Sie sagte nichts, sah ihm bloß ins Gesicht. „Du zitterst“, stellte er diesmal nicht in Gedanken, sondern laut fest und legte ihr sein Jackett um die Schultern, woraufhin es sie noch mehr umher schmiss. „Jetzt reicht’s, ich bring dich nach Hause.“ Mit diesen Worten ging er erneut in den Besprechungsraum, holte ihre Handtasche und Mantel und erntete wieder diese irritierten Blicke. Als er zurück kam, schüttelte Remy widerwillig den Kopf, konnte sich jedoch nicht wehren, als er sie auf seine Arme hob und sie erst zum Fahrstuhl und anschließend zum Ausgang trug. „Lass mich runter, mir ist schlecht“, sagte sie auf dem Parkplatz gerade noch rechtzeitig, ehe sie sich wieder übergeben musste. Geschwächt klammerte sie sich mit den Händen verzweifelt an seinem Hemd fest, doch er war bereits zur Stelle und hielt sicher ihre Taille umfasst. Erschöpft lehnte sie ihren Kopf wieder an seine Brust und zwang sich, die Augen offen zu halten. „Ja, du hast recht. Es geht dir blendend“, meinte er nervös und hob sie sich wieder auf die Arme, nachdem es ihr besser ging.

Vor ihrem Haus angekommen, weckte er sie nur unwillig auf, da sie eingeschlafen war. Keuchend kam er vor ihrer Wohnungstür zum stehen. Sie die Treppen hinaufzutragen, überstieg eindeutig seine Kräfte. „Welcher Schlüssel?“ Mit zitternden Fingern zeigte sie ihm den benötigten Schlüssel unter den unzählig vielen an ihrem Schlüsselbund. Kaum hatte er aufgeschlossen, war er ins Wohnzimmer gegangen und hatte sie auf der Couch abgelegt, nur um noch einmal zurückzugehen und die Tür zu schließen. Dann war er sofort wieder bei ihr. Sie versuchte sich aufzurichten, schaffte es jedoch nicht. „Wieso bist du heute Morgen denn überhaupt gekommen, wenn dir so elend war?“ Seine Worte sollten besänftigend klingen, es schwang jedoch ein tadelnder Unterton darin mit. „Weil… es ist nichts weiter.“ Chase schnaufte kurz spöttisch. „Nein, absolut nicht. Du hättest heute bis spät abends praktizieren können.“ Er bemerkte zu spät, dass die Ironie in seinen Worten verletzend klang und fuhr ruhiger fort. „Das wird jetzt aber nicht zur Gewohnheit, oder?“ Remy lächelte ihn gequält an. „Nein, wird es nicht. Versprochen…. Kannst du mir bitte ein Glas Wasser holen?“ Nach einem neuerlich missglückten Versuch, sich aufzurichten, hatte sie keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als Chase darum zu bitten. Dieser stand sofort auf und verschwand so selbstverständlich in der Küche, als ob er hier wohnen würde.

Lächelnd kam er zurück und reichte es ihr, wobei sie zweifelnd das Glas anstarrte, dass sie gleich mit ihrer immer noch zitternden Hand würde fassen müssen. Chase wusste diesen Blick zu deuten und schob ihr sogleich einen Arm unter den Rücken, um ihr aufzuhelfen, während er ihr das Glas mit der anderen vorsichtig hinhielt. Sie griff danach, zuckte jedoch so unwillkürlich, dass ein wenig der Flüssigkeit über den Rand schwappte. „Tut mir leid“, sagte sie mit einem Kloß im Hals. „Es gibt keinen Grund, dass dir irgendwas leidtun müsste.“ Er nahm ihr das Glas ab und hielt es ihr vorsichtig an die Lippen. Entgeistert sah sie ihn an. „Komm schon, oder ich bring dich zurück ins Krankenhaus und lass dich stationär aufnehmen, da kriegst du dann die Flüssigkeitszufuhr über eine Infusion.“ Gequält verzog sie das Gesicht und gab sich geschlagen. In kleinen Schlucken nippte sie an dem Wasser, das er ihr immer wieder hinhielt, bis es leer war. Selbst das hatte sie angestrengt, denn Chase hatte gespürt, dass Remy in seinem Arm immer schneller geatmet hatte. „Braves Mädchen. Und jetzt leg dich wieder hin und ruh dich aus.“ – „Wieso passiert immer mir sowas?“, flüsterte sie und hatte dabei eigentlich nicht gewollt, dass Chase es hörte. „Wenn du mir irgendwas erzählen willst…“ Er beendete den Satz nicht, denn schon ihr Blick verriet ihm, dass sie nicht wollte. „Ok.“ Er nickte und füllte in der Küche das Glas erneut auf, um es dann neben Remy auf den Couchtisch zu stellen. Lange betrachtete er sie schweigend, dann fühlte er ihre Stirn und stellte besorgt fest, dass ihr Kopf glühte. „Du hast Fieber. Wo ist das Thermometer?“ – „Im Badezimmerschrank“, antwortete sie unüberlegt, um gleich darauf einen Schock zu bekommen. Der Schwangerschaftstest lag noch auf dem Waschbeckenrand! „Aber das ist nicht nötig!“, rief sie ihm nach. „Doch, ist es, Frau Doktor.“ Chase hatte das Thermometer schnell gefunden und kehrte damit zurück. Remy stellte erleichtert fest, dass er wohl zu sehr auf das Fieberthermometer fixiert gewesen war, als etwas anderes mitzubekommen. So ließ sie es auch kommentarlos über sich ergehen, dass Chase es ihr in den Mund steckte und sie mit allen Decken zudeckte, die er finden konnte. „39,8! Das ist nicht gut.“ Remy schien es nicht so sehr zu beunruhigen wie Chase und meinte daraufhin nur „Da du mich hier sicher nicht einfach in Ruhe lassen wirst: Der Medikamentenschrank ist in der Küche, da ist sicher was Fiebersenkendes dabei.“ Erneut zwang ihr Körper sie dazu, die Augen zu schließen.

Als Chase nach nur zwei Minuten mit den Tabletten zurückkam, war sie eingeschlafen. Doch er wollte sie nicht schon wieder aufwecken, wo sie doch endlich etwas Ruhe gefunden hatte und setzte sich daher nur neben sie und legte vorsichtig seine Hand um ihre. Auch diese glühte so heiß, wie ihr Kopf, daher kehrte er in die Küche zurück, um zu den Hausmitteln zu greifen, ehe sie die Tablette einnehmen konnte. Schon bald hatte er ein Handtuch gefunden und es unter den kalten Wasserstrahl gehalten. Behutsam legte er es ihr auf die Stirn. Die Kühle musste ihr guttun, denn sie regte sich kurz im Schlaf und ließ einen erleichterten Seufzer hören, während ihre verkrampften Gesichtszüge sich augenblicklich etwas entspannten.

„Zum hundertsten Mal: Es ist alles in Ordnung!“ – „Und wo sind die beiden dann momentan?“ Foreman ließ nicht locker. „Was weiß ich denn, bin ich die Auskunft? Wahrscheinlich konnten sie ihr Sexleben nicht auf die Nacht beschränken.“ – „Die beiden schlafen doch nicht wirklich miteinander, oder?“ House grinste Foreman spöttisch an. „Sind Sie neidisch, oder was? Da kann ich nur sagen: Selber schuld. So einen dicken Fisch wieder von der Angel zu lassen, kann nur einem Idioten wie Ihnen einfallen.“ Taub musste sich das Lachen verkneifen, Foreman blickte jedoch mit süß-saurer Miene drein. „Aber mal ehrlich“, warf Taub ein. „Das kann doch nicht alles sein, Sie verschweigen und et…“ – „Mein Gott, wollen Sie beide hören, dass einer der beiden aus dem Fenster gesprungen ist, oder was? Also gut, ich sag’s Ihnen, wenn Sie’s denn unbedingt hören wollen! Dreizehn ist zusammengeklappt und Chase behandelt sie.“ Die beiden Assistenzärzte grinsten sich an. „Ja sicher. Ok, wir belästigen Sie nicht mehr, sondern fragen sie selbst, wenn sie zurückkommen.“
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Re: No way back [FF]

Beitrag#7  von Remy Hadley » Sa 22. Okt 2011, 19:08

Kapitel 7

Chase hatte sich in Remys Sessel gesetzt und seinerseits die Augen geschlossen, schlief jedoch nicht. Als Remy ein leises Stöhnen hören ließ, öffnete er sie sofort und stand auf, um zu ihr zu gehen. Sie hatte über zwei Stunden geschlafen und Chase war in dieser Zeit nur von ihrer Seite gewichen, wenn er das Handtuch aufgefrischt hatte. Jetzt schlug sie blinzelnd die Augen auf und legte sich eine Hand darüber. „Wie geht’s dir?“ Chase sprach nur im Flüsterton, um sie nicht zu bedrängen. „Kopfschmerzen.“ – „Kann ich mir vorstellen. Miss bitte nochmal Fieber.“ Sie war nicht einverstanden, denn sie stöhnte genervt, doch sie ließ ihn dennoch an sie heran. „Nur noch 38,5. Dann brauchst du die wohl nicht mehr unbedingt.“ Er wedelte mit den Tabletten herum. „Tut mir leid, ich bin eingeschlafen.“ – „Kein Problem, das war gut so.“ Erschrocken richtete sie sich auf, woraufhin sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Kopf fasste. Doch Chase war schon zur Stelle und half ihr, sich wieder hinzulegen. Das heruntergerutschte Handtuch nahm er ihr vom Bauch und befeuchtete es neu. Zunächst sträubte sie sich, als er es ihr auf die Stirn legen wollte, gab dann jedoch den Widerstand auf. „Uh…“ – „Ja, ich weiß. Aber es wird gleich besser.“ Sie öffnete die Augen und heftete sie auf seine Augen. „Wieso tust du das?“ – „Was denn?“ – „Das… alles. Du bringst mich heim, sitzt stundenlang hier während ich schlafe und springst sofort auf, wenn ich nur meine Zehen bewege. Wieso?“ Chase zwang sich dazu, den Augenkontakt zu halten. Normalerweise genoss er es, Remy direkt in die Augen sehen zu können und es kam wahrlich selten vor, dass sie den Blick auch noch erwiderte. Doch jetzt war alles anders. Ihre Augen waren so von Schmerz gefüllt, dass es ihm körperlich wehtat, hineinsehen zu müssen. Und noch etwas war anders. Sie hatte die Warum-Frage gestellt und nun war es an ihm, zu entscheiden, ob er lügen oder die Wahrheit sagen sollte. ‚Tu’s‘, flüsterte eine Stimme in ihm, doch er fürchtete sich vor ihrer Antwort. „Weil… du meine… Kollegin bist und irgendwer für dich da sein muss, wenn du krank bist.“ Chance vertan.

Es schien, als würde Remys Blick sich kurz trüben, doch dieser Eindruck währte nur wenige Sekunden, dann brach sie den Blickkontakt zu Chase ab. „Das ist kein Grund, aber von mir aus. Wenn du Gefallen daran findest, mir beim Sterben zuzusehen, meinetwegen.“ Chase starrte sie an. Nun war er es, dem die Farbe aus dem Gesicht wich. „Sag das nicht! Wie kannst du jetzt daran denken?“ – „Ich bitte dich, du tust so, als ob ich darüber nachdenke, was ich am Wochenende kochen will! Ich denke immer daran. Immer, verstehst du. Es würde durch nichts in den Hintergrund rücken, denn es ist immer da. Siehst du.“ Sie zog eine Hand unter der Decke hervor und hielt sie ihm hin. Sie zitterte noch immer, doch nicht so wie vorhin, sondern beständiger. Ihre Stimme brach ab und diesmal war es kein trügerischer Eindruck, diesmal trübte sich eindeutig ihr Blick und sie wendete sich ab. Chase wusste nicht, was er jetzt tun sollte. Er kam sich hilflos vor. Remy lag wie ein Häufchen Elend vor ihm auf dem Sofa und war den Tränen nahe, doch er war mit einer solchen Situation nicht vertraut. Zögernd kniete er sich auf den Boden und fasste sie beim Arm, in der Hoffnung, sie würde ihn nicht abschütteln. Das Gegenteil geschah. Sobald er sie berührt hatte, drehte sie sich mit ihrem gesamten Körper in seine Richtung und schlang ihm die Arme um den Hals, während sie nunmehr hemmungslos weinte. Chase schluckte schwer, unbeholfen streichelte er ihr mit den Händen über den Rücken und drückte ihren Kopf an seine Schulter.

„Was haben Sie schönes am Wochenende vor?“ Foreman und Taub starrten House finster an. „Können wir nun heim gehen, oder was?“ House richtete den Blick aus dem Fenster schien Regentropfen zu zählen, denn er ließ sich Zeit mit seiner Antwort. „Sie haben doch noch Dienst, oder? Ich kann Sie doch nicht mitten im Dienst nach Hause schicken.“ – „Gestern konnten Sie es auch.“ House ließ ein ironisches Lächeln der feinsten Sorte sehen. „Als ob Sie gestern anwesend gewesen wären! Wenn Sie dabei sind, mache ich natürlich solche Ausnahmen nicht. Kinder brauchen schließlich Regeln.“ Foreman schnaufte und stand auf. „Ich bin Arzt. Ich will etwas Vernünftiges tun und nicht meine Arbeitszeit im Besprechungsraum absitzen und mich mit Taub über seine kaputte Ehe unterhalten. Sorry Alter, aber so ist es nunmal.“ – „Und jetzt rennen Sie zu Cuddy und besorgen uns allen unnötigen Stress, nicht wahr?“ Doch Foreman war schon weg. „Aber er hat recht.“ House fuhr Taub barsch an. „Nein, hat er nicht. Und wenn Sie denken, dass er recht hat, dann sind sie genau so ein Idiot wie er!“ Damit stand auch House auf und verschwand im Nebenzimmer, wo er sich an seinen Schreibtisch setzte und sein Handy zu Rate zog.

Chase wusste nicht, was er sagen sollte. Doch nach einigen Minuten merkte er, dass er nichts sagen musste, sondern dass das Gefühl, dass er da war, Remy enorm half. Ihre Schultern bebten noch immer, doch sie hatte sich so weit beruhigt, dass sie sprechen konnte. „Tut mir leid, ich hab einfach die Kontrolle…“ Ihre erstickte Stimme war bedrohlich zittrig. „Dir muss gar nichts leidtun. Mir wäre es viel lieber, wenn du öfters die Kontrolle verlieren würdest und dafür glücklicher wärst.“ Er wusste nicht, ob es die falschen Worte waren, oder ob sie sie einfach nur so berührten. Auf jeden Fall begann Remy wieder zu weinen. Inzwischen hatte sie sich aufgesetzt, sodass Chase neben ihr Platz hatte und lag zur Seite gelehnt mit dem Kopf in seinem Schoß. Plötzlich zerriss Chase‘ Handy die Stille im Zimmer. „Es ist House. Ich geh nicht ran.“ Sie strich sich die Haarsträhnen aus dem Gesicht und schüttelte den Kopf. „Doch, du musst rangehen, er wundert sich bestimmt, wo wir sind.“ Er hätte den Anruf nicht angenommen, doch Remy zuliebe tat er es. „Ja? Was gibt’s?“ – „Alles in Ordnung bei Ihnen?“ Pause. Mit einem Blick auf Remy antwortete er. „Ja, alles in Ordnung. Ich hab sie heim gebracht und jetzt… jetzt schläft sie. War total erschöpft.“ – „Gut, lassen Sie sich Zeit. Bis Cuddy hier ist, bleibt noch etwas Zeit und dann… werde ich Sie beide auch nicht gleich brauchen.“ – „Wieso, was ist mit Cuddy?“ – „Ihr Kumpel Foreman ist zu ihr petzen gerannt. Er sagt ihr gerade, dass wir den Urlaub vorverlegt haben. Als ob ich mich vom Faulenzen abhalten lassen würde, nur weil Cuddy mir ihre Brüste zeigt, so naiv ist doch niemand. Also, ich seh‘ Sie dann morgen.“ Ohne eine Antwort von Chase abzuwarten, legte House auf. „Danke.“ – „Wofür?“ – „Für… die Diskretion.“ – „Kein Thema.“ Kurzes Schweigen, dann „Hat er gesagt, wann wir wieder zur Arbeit kommen sollen?“ Chase lachte bitter. „Ja, sicher. WIR werden nicht so bald auf Arbeit gehen. ICH gehe morgen.“ Remy blickte ihn an. Gerade, als sie zu einer Widerrede ansetzen wollte, schoss ihr erneut ein heftiger Schmerz durch den Kopf, der sie aufstöhnen ließ. Chase wollte ihr helfen, sich wieder hinzulegen, doch sie wehrte ab. „Ich muss mal.“ Entschuldigend grinste sie ihn an. Er stand auf und fasste sie bei den Händen, sodass er sie mit einem Ruck in die Höhe bringen konnte. Doch sie schüttelte die Hilfe ab. „Ich kann das allein.“ – „Wie du meinst.“ Er trat beiseite und ließ sie in Ruhe. Schwankend kam sie zum stehen und hielt sich zunächst an der Couch an, dann an der Wand und in den Türrahmen. „Soll ich dir was zu essen machen?“, rief er ihr hinterher, während er das Kissen und die Decke aufschüttelte. „Ich hab keinen Hunger, aber im Kühlschrank sind noch Nudeln, die kannst du essen.“ Dann verschwand sie im Badezimmer.

Froh darüber, dass Chase nichts bemerkt hatte, ließ sie den Schwangerschaftstest verschwinden und war sogleich etwas beruhigter als zuvor noch. Sie hatte die Gefahr, aufzufliegen, gebannt. Auch wenn er niemandem davon erzählen würde, da war sie sich sicher, wollte sie dennoch nicht, dass irgendwer etwas wusste. Sie musste zunächst selbst damit klarkommen.
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